Elterngeld. | Ein Kommentar.

. . . früher hatte ich eine ziemlich verklärt romantische Vorstellung davon, wie das mit dem Kinder kriegen und Familie planen so läuft!

Mann verliebt sich in Frau. Frau verliebt sich in Mann. Friede – Freude – Eierkuchen. Ein bisschen Zeit zu Zweit – die Geschichte von den Bienchen und den Blümchen und nachdem die besten Eigenschaften von beiden ein paar mal in einer großen Rührschüssel duch geknetet wurden, folgen 10 (Schwangerschafts-)Monate in Mamas Baby-Backofen.
Und wenn die Eieruhr klingelt, schlüpft ein neues Mini-Menschlein fertig und perfekt auf diese Welt.

Was soll ich sagen? Ganz so läuft es in der Realität dann irgendwie nicht! Zum Kinder kriegen gehört nicht zwangsläufig auch Liebe (wäre aber schön!!!) und diese Schwangerschaftsmonate haben rein gar nichts mit ein bisschen Kuchen-backen zu tun, sondern sind nicht nur harte Arbeit, sondern auch äußerst lästig. Von der Geburt will ich gar nicht anfangen, denn wenn so eine Eieruhr abgelaufen ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass man das Mini-Menschlein binnen Sekunden auf die Brust gelegt bekommt. Aber sei´s drum – darüber wollte ich heute gar nicht schreiben!

Nein – eigentlich (und auch uneigentlich) geht es heute um ein ganz anderes Thema, das aber unweigerlich zum Eltern werden dazu gehört: Ämter, Anträge und Wartezeiten – Halleluja! Was mir in meiner naiven Sicht auf die Familienplanung nämlich völlig entgangen ist, ist: zum Kinder kriegen gehört vor allem eins: ANTRÄGE AUSFÜLLEN, BEI ÄMTERN SCHLANGE STEHEN UND WARTEN! Lange warten…seeeeehr lange warten! Und ich sag´s euch: die zehn Monate auf sein Baby warten sind ein Klacks dagegen monatelang auf sein Elterngeld zu warten und nicht zu wissen wovon man die nächste Packung Windeln eigentlich bezahlen sollte.

Manche mögen jetzt sagen: Kinder kosten nun mal Geld, das hast du vorher gewusst! Und da geb´ ich euch sogar recht – hab ich vorher gewusst. Was ich aber auch vorher gewusst habe: Ich habe jahrelang in Sozial Versicherungen eingezahlt, die genau für sowas da sind. Und Fakt ist, dass sich die wenigsten Familien in Deutschland über Wasser halten könnten, wenn ein Elternteil mit seinem Gehalt als Alleinverdiener für die gesamte Familie aufkommen müsste. Dafür ist übrigens tatsächlich der Staat verantwortlich, denn mit einem Mindestlohn von 8,84 € verdient man auch bei einer vierzig Stunden Woche nicht mal annähernd das, was man braucht um eine drei- oder vierköpfige Familie zu ernähren.

Gut, aber für eine „wie hoch wäre ein fairer (!!!) Mindestlohn“-Diskussion habe ich heute tatsächlich keinen Raum, denn das spreng dann den Rahmen dieses Beitrags – also zurück zu Anträgen und Geldern, die mir theoretisch zustehen – beziehungsweise in erster Linie geht es heute um eine ganz bestimmte Sache: das Elterngeld!

Elterngeld – das ist die Lohn-Ersatzzahlung, die einem Elternteil, das zur Betreuung des Kindes zuhause bleibt, zusteht. Zwölf Monate – bzw. vierzehn Monate, wenn auch der Partner anteilig in Elternzeit geht – steht einer Familie diese Lohn-Ersatzleistung ANGEBLICH zu, denn von den zwölf Monaten werden erst einmal die acht Wochen nach der Geburt abgezogen, in denen Mutterschaftsgeld gezahlt wird. Dann sind wir noch bei +/- zehn Monaten.
Das Elterngeld beträgt 67 % (bzw. ab einem Netto-Gehalt in Höhe von 1.200 € verringert sich der Prozentsatz) vom durchschnittlichen Netto-Einkommen der letzten zwölf Monate vor Eintritt in den Mutterschutz (bzw. beim Vater vor der Geburt des Kindes). Fakt ist aber, dass das überhaupt nicht so ist. Aus Brutto- bzw. Netto-Einkommen wird ein Elterngeldbrutto ermittelt, abzüglich Werbungskostenpauschale und Versicherungen erhält das Amt dann das Elterngeldnetto und von diesem Betrag werden 67% / 65% ausbezahlt.
In meinem Fall bedeutet das faktisch, dass ich statt 65% meines tatsächlichen durchschnittlichen Netto-Gehalts gerade einmal 56% bezahlt bekomme.

ABER – Anmerkung vom Amt – andere bekommen ja deutlich weniger Elterngeld, also soll ich mich doch mal bitte nicht beschweren. Doch verdammt, ich beschwere mich trotzdem! DENN (!) als Mutter hat man einen vierundzwanzig Stunden Job, arbeitet sieben Tage die Woche hat weder gesetzlich geregelte Pausenzeiten, noch Urlaubsanspruch oder auch nur mal ein Wochenende oder Feiertage. Und das ist okay – denn man kümmert sich liebend gerne um das Mini-Menschlein. Dennoch ist es ein Fakt, dass jede Mutter die nächste Generation Steuerzahler groß zieht. Der Staat schreit nach mehr Kindern, aber es jungen Menschen schmackhaft zu machen – oder sie zumindest finanziell abzusichern – das ist dem Staat dann doch ein bisschen zu viel Arbeit.

Wir wissen jetzt also, dass das Elterngeld – auch wenn es eine Hilfe ist – deutlich zu gering ausfällt und wesentlich höhere Beträge gezahlt werden müssten. … in erster Linie müsste das Elterngeld aber überhaupt zeitnah gezahlt werden! In Berlin wartet man teilweise mehrere Monate auf die Bewilligung und die Zahlung des Elterngeldes. Und das ist nicht mal nur ein Großstadt-Phänomen, denn ich habe von einigen Freunden, die aktuell den selben Hick-Hack mit der Elterngeldstelle am Laufen haben wie ich, gehört, dass sie teilweise sogar noch länger auf die erste Zahlung warten mussten als ich.

Lou wurde Ende Juni geboren – weil ich mich bereits in der Schwangerschaft belesen habe und mir die Wartezeiten bekannt waren, lagen sämtliche Anträge ausgefüllt zuhause und haben lediglich auf die letzten notwendigen Unterlagen (die Geburtsurkunde und ggf. die Steuer-ID von Lou) gewartet um abgeschickt zu werden. Ohne Geburtsurkunde kann der Antrag nicht bearbeitet werden – schließlich und endlich könnte das Kind ja eventuell doch noch sterben und dann hätte man sich die Arbeit schließlich völlig umsonst gemacht), aber sicherstellen, dass der Antrag dann innerhalb des Mutterschutzes bearbeitet, bewilligt und die Zahlungen angewiesen werden…na… das kann man auch nicht.

So – die Geburtsurkunde, auf die man je nachdem ja auch nochmal eine ganze Zeit warten muss (wir hatten Glück und konnten sie nach gerade einmal drei Tagen abholen) geht dann also – inklusive ausgefülltem Antrag und Gehaltsnachweisen – an die Elterngeldstelle. Die erste Zahlung habe ich im Oktober erhalten – 3,5 Monate nach Lous Geburt und über 2 Monate, nachdem mein Mutterschutzgeld bezahlt wurde. Wovon wir in der Zeit leben sollten? Ja – diese Frage habe ich meiner zuständigen Sachbearbeiterin ebenfalls gestellt und durfte mir dann sagen lassen „nun ja, sie haben ja einen Partner – der kann ja so lange für Sie aufkommen“

Dass das einfache Netto-Einkommen eines Alleinverdieners nicht ausreicht, um die Kosten für drei Personen zu tragen, schien der Frau egal. „Ich verstehe ja ihren Ärger, aber seien Sie doch froh, dass sie nicht Alleinerziehend sind. Dann ginge es Ihnen ja noch schlechter!“ . . . wirklich tröstende Worte.
Andere tolle Ratschläge der Elterngeldstelle sind u.a. „leihen Sie sich doch Geld aus der Familie!“, „Wie wäre es mit einem Kleinkredit, um die ersten Monate zu überbrücken.“ und „Haben sie nicht die Möglichkeit einen Dispositions-Kredit in Anspruch zu nehmen?“

Ich möchte nebenbei noch erwähnen: unsere Sachbearbeiterin hatte in der Zwischenzeit – also zwischen Geburt und Bewilligung des Antrags – Urlaub. Versteht mich nicht falsch – die gute Frau darf gerne Urlaub machen, hat sie sich sicherlich auch verdient . . . ABER in dieser Zeit wurden die Anträge nicht etwa von einer Vertretung weiter bearbeitet, nein nein – die Anträge blieben einfach liegen!

Lange Rede – kurzer Sinn:
Die Höhe des Elterngeldes ist für die Arbeit, die Mütter und Väter jeden Tag leisten, ein schlechter Witz – die Einführung eines Elterngehaltes wäre absolut angebracht (nur so eine Randbemerkung) – aber die Art und Weise wie der Staat frisch gebackene Eltern im Stich lässt und bereitwillig in Kauf nimmt, dass Mütter und Väter nach der Geburt ihres Kindes in absolute Existenzängste rutschen, nur weil die Ämter nicht schneller arbeiten und man unnötig lange auf das Geld warten muss, dass einem doch zusteht, ist eine absolute Sauerei.
Ich kann mich glücklich schätzen, da ich vor der Geburt nicht schlecht verdient habe, konnten wir noch innerhalb der Schwangerschaft die Dinge, die wir die ersten Monate dringend brauchen (Klamotten, Medikamente, etc.) noch vor dem finanziellen Engpass kaufen und da Lou gestillt wird, kostet sie uns monatlich NOCH nicht sehr viel – aber wenn ich mir jetzt eine alleinerziehende Mutter vorstelle, bei der das Stillen nicht klappt und die nicht die nötigen finanziellen Mittel hatte bestimmte Anschaffungen noch vor der Wartezeit aufs Elterngeld zu tätigen, dann frage ich mich wirklich, wie sich Vater Staat das vorstellt.

Wovon sollen junge Mütter und Väter die Zeit überbrücken, bis das Elterngeld dann endlich ganz (oder zumindest teilweise) ausgezahlt wird? Und warum kann der Elterngeld-Antrag nicht bereits bearbeitet werden bevor eine Geburtsurkunde vorliegt? Wenn der bearbeitete Antrag im System ist, könnte die Zahlung des Elterngeldes mit Eingang der Geburtsurkunde angewiesen werden. Ach . . . und wieso werden 12 Monate (bzw. 14 Monate) Elterngeld versprochen, wenn schließlich und endlich doch nur 10 (bzw. 12) gezahlt werden?


Mittlerweile folgen mir ja doch einige Mamas (und auch Papas?) auf instagram und lesen meinen Blog – was habt ihr für Erfahrungen mit der Elterngeldstelle gemacht? Wurdet ihr auch so vor den Kopf gestoßen oder gibt es auch positive Erfahrungen und diese negativen Beispiele sind nur Ausnahmen?
Schreibt mir doch eure Erfahrungen (gerne auch als Mail: kontakt@elena-monvoisin.de) – ich bin gespannt!

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