Erfolgreich sein als Lebensziel? | Gedankenkarussell.

Sonntage laden doch dazu ein sich zu entspannen und die Gedanken kreisen zu lassen – oder?

Ich erinnere mich gerade an das letzte Telefonat mit meiner Oma. Mit ihr zu telefonieren ist oft immer anstrengend, denn auch wenn das Gespräch anfangs entspannt und schön ist, kommen wir immer an den Punkt, an dem über meine Tattoos, meine Piercings, meine Haare und gerne auch meine Lebensentscheidungen gejammert wird.
Meine Oma hat unglaublich viele Vorurteile (auch wenn sie es besser weiß!) und für sie ist am wichtigsten, was die Nachbarn / die Anderen denken.

Letztes Mal haben wir uns dann darüber unterhalten was ich denn machen möchte, wenn Lou in die Kita geht und ich wieder arbeiten kann.
Meine Antwort war nicht zufriedenstellend, denn das Gespräch endete mit der Frage

„Möchtest du denn nicht erfolgreich sein?“

Ganz ehrlich? Nein. Und ich erkläre euch auch gerne warum.

Es gibt keine eindeutige Definition was man tun und leisten muss, um als erfolgreich zu gelten. „Erfolg“ zu haben, bedeutet, dass andere Handlungen / Leistungen anerkennen und ehrlich gesagt ist es mir total egal, ob mir wildfremde Menschen Anerkennung entgegen bringen oder nicht – ich muss ihnen nichts beweisen und ich bin noch weniger dazu bereit mich oder auch nur einen Teil von mir aufzugeben, um einem Bild zu entsprechen, dass als gesellschaftlich anerkannt und erfolgreich angesehen wird.

Wie – vermutlich (?) – jeder Mensch habe ich auch Ziele, deren Erreichung ich als persönliche Erfolge einstufe, aber dabei geht es mir dann tatsächlich darum, anzuerkennen, dass ich das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe!

Ich bin der festen Überzeugung, dass unser Leben vom ersten Atemzug kontrolliert und vorgeplant ist. Wir haben immer eine Aufgabe – wir müssen schnellst möglich essen, sitzen können, laufen lernen (alles nach festen Tabellen, werden schon in Mamas Bauch genormt und vermessen) – im Kindergarten müssen wir teilen, obwohl wir das gerade gar nicht wollen und uns an den festen Zeitplan halten als Vorbereitung auf die Schulzeit – in der Schule werden wir dann darauf vorbereitet den ganzen Tag nicht mehr das zu machen, was wir wollen, sondern das, was wir sollen um als „fleißig“ zu gelten. Schon in der Grundschule setzt man die Kinder unter Druck, denn da entscheidet sich ja welche schulische Laufbahn sie einschlagen und in welchen Berufen sie irgendwann Fuß fassen können.
Nach der Schule schnell schnell eine Ausbildung oder ein Studium abschließen (am besten beides gleichzeitig) und dann ins Arbeitsleben starten.

Unser von der Gesellschaft anerkannter Werdegang sieht keine Zeiten vor, in denen wir uns auf uns konzentrieren dürfen – in denen wir heraus finden können, wer wir wirklich sind, welche Stärken wir haben, was wir gerne machen möchten. Wir müssen funktionieren. Wie ein Rädchen im Uhrwerk.

Ich möchte das nicht. Ich möchte nicht nur funktionieren ohne zu wissen wofür. Mein Leben ist zeitlich sehr beschränkt – vielleicht habe ich nur noch einen Tag oder aber 60 Jahre … wer weiß das schon? Aber meine begrenzte Zeit möchte ich nicht damit verschwenden einem Ziel hinterher zu jagen, das die Gesellschaft zwar als „erfolgreich“ einstuft, das mich aber nicht erfüllt und glücklich macht.
Am Ende – und das ist definitiv bei jedem Menschen gleich – verlassen wir diese Erde genau so, wie wir sie betreten haben … nackt und ohne alles. Was habe ich also davon mein Leben nur mit Arbeit zu verbringen, mich unglücklich zu machen, aber dafür mehrere Millionen auf dem Konto zu haben, wenn ich sterbe?

Das Ziel, das ich erreichen möchte, um für mich ganz allein erfolgreich zu sein, ist dieses:

Ich möchte mehr Tage in meinem Leben glücklich sein und lachen, als weinen und trauern. Ich möchte lieben, nicht hassen. Ich möchte teilen, helfen und geben – nicht nur nehmen und alles an mich reißen. Ich möchte anderen die Hand reichen, statt ihnen meinen Ellenbogen in die Rippen zu rammen. Ich möchte reisen, andere Kulturen und Länder kennen lernen und mit den Menschen dort sprechen – ich möchte mich nicht irgendwo in einem Touri-Resort verschanzen und am Pool gammeln. Ich möchte eines Tages sterben können und dabei genau wissen, dass ich ein tolles Leben mit tollen Menschen hatte – ich möchte nicht sterben und mir darüber Gedanken machen müssen, wer sich jetzt alles gegenseitig zerfetzt, weil er an mein Erbe möchte.

Wie geht es euch da? Was definiert ihr als „Erfolg“?

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One Comment

  1. Eine bemerkenswerte Einstellung. Auf diese Frage habe ich für mich selbst keine Lösung gefunden. Aber deine Meinung scheint ein guter Lösungsweg zu sein

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