GEBURTSBERICHT – (außer-)klinische Geburt, so viel zum Plan.

. . . ich kann es kaum glauben: die kleine Motte wurde gestern schon fünf Wochen alt. Fünf Wochen – wo ist die Zeit bitte geblieben?

Heute möchte ich über die Geburt schreiben und ich warne gleich mal vor: ich entschuldige mich für nichts, was ich schreibe – wenn irgendjemand etwas falsch versteht, sich angegriffen fühlt oder der Meinung ist, ich würde irgendetwas nicht richtig wertschätzen, darf er das gerne für sich behalten!
Außerdem werde ich kein Blatt vor den Mund nehmen – ich will keiner werdenden Mama Angst machen! Ich schreibe auch keinen Horror-Geburtsbericht, aber ein Zuckerschlecken war es nicht. Wer also kurz vor der Geburt steht und schwache Nerven hat, sollte das hier eventuell erst lesen, wenn alles vorbei ist! (Man oh man, würde diese Warnung über jedem Geburtsbericht stehen, hätte ich mir so einige erspart!)

Während der gesamten Schwangerschaft hätten Chriz und ich darauf gewettet, dass Rebella nicht bis zu ihrem errechneten Termin wartet – im Gegenteil, Ende Mai bettelten wir den Babybauch noch an bitte bis Juni zu bleiben!
Betteln können wir scheinbar, denn Madam hat uns nicht nur den Gefallen getan und bis Juni gewartet, sondern ihren errechneten Termin nicht unbeträchtlich überschritten!
Schlimmer noch als das Warten und nicht wissen, wann es endlich los geht, waren die unzähligen Fragen . . . „ist sie schon da?“ – „geht´s endlich los?“ – „langsam haben wir aber keine Lust mehr zu warten, kann man da nichts machen?“ . . . ACH – ihr habt keine Lust mehr zu warten? Na herzlich Willkommen im Club! Mal im ernst: Keine Schwangere kurz vorm Termin kann diese Fragen brauchen, man sitzt ohnehin schon auf heißen Kohlen und diese Fragen schüren die Glut nur noch mehr. Also herzlichen Dank für die Anteilnahme, aber lasst das besser mal, danke.

Schon Anfang Juni war der Muttermund knapp 1,5-2 cm geöffnet – wie wenig das aussagt sieht man daran, dass ich die Kleine bis 41+3 mit mir rum getragen habe. Zum errechneten Termin durfte ich dann also beim Frauenarzt antanzen („ach, die Kleine ist noch immer nicht da?“ . . . was für eine Frage, wäre ich denn dann hier?), aber nachdem keine Wehen zu verzeichnen waren und Rebella es da drin wohl noch mehr als bequem hatte, ging es wieder nach hause – das selbe Spiel dann eine Woche später zum erreichen der 41ten Schwangerschaftswoche (herzlichen Glückwunsch?). Auch bei diesem Termin war Madam ausreichend versorgt, hatte noch genug Fruchtwasser und außer, dass sie laut Arzt bald die 4 Kilo Grenze knacken sollte (na da sind wir ja alle begeistert!), war nichts, was mich hätte beunruhigen sollen.

Mitte der 41ten Schwangerschaftswoche hatte ich einen kleineren Kontrolltermin – der bis auf eine Sache absolut unauffällig war:
„Oh, aber die Werte hier könnten auf eine leichte Blasenentzündung hindeuten. Ich verschreibe Ihnen mal ein Ein-Tages-Antibiotikum.“   Drei Wörter in dem Satz haben mich etwas geärgert – KÖNNTEN, diese 50/50 Chance finde ich ja richtig beruhigend und klar, ich fress´ gern Antibiotika gegen was, das vielleicht gar nicht da ist. – Blasenentzündung…merkt man davon nicht eigentlich was? Aha, ich nicht…aber hey, könnte…welche 50% sind´s dann wohl… – und Antibiotika…ich habe in meinem Leben (dieses mal dann eingeschlossen) drei mal Antibiotika genommen (und ich will anmerken, die beiden male vorher wegen Mandel- bzw. Kieferhöhlenentzündung, nicht wegen einer „Blasenentzündung“, die man auch locker mit Tee trinken weg bekommen hätte).
Aber nachdem Arzt und Hebamme sich sicher waren, dass es notwendig ist, habe ich mich – meinem Kind zu liebe – deren Willen gebeugt und die Antibiotika genommen. Ich kann beiden keinen Vorwurf machen, schließlich und endlich machen die ihren Job und zumindest bei meinen Hebammen bin ich mir sicher, dass sie das nach bestem Wissen und Gewissen machen (bei Ärtzen unterstreiche ich diese Aussage nur bedingt!).
Dennoch erwies sich das als der größte Fehler, den ich hätte machen können. Ich reagiere auf viele Medikamente sehr stark und so durfte ich den gesamten Nebenwirkungskatalog des Anitbiotikas über mich ergehen lassen. Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Schwindel, mir wurde schwarz vor Augen,…
Das kommt richtig gut kurz vor einer möglichen Geburt kann ich euch sagen.

Nachdem ich die Nebenwirkungen einigermaßen verkraftet habe und es mir soweit wieder gut ging, hatte ich einen Termin mit meinen Hebammen – nach diesem unschönen Ereignis hatte ich nämlich wirklich keine Lust mehr. So gar nicht. Der Gedanke, dass alles, was ich meinem Körper freiwillig und unfreiwillig zuführe zwangsweise auch mein Kind betrifft, hat mich an den Rande des Wahnsinns getrieben. Die gesamte Schwangerschaft über habe ich so gut es geht alles weg gehalten, was ihr potentiell gefährlich werden konnte, habe sogar eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung über mich ergehen lassen, und dann könnte dieses eine Antibiotika doch noch so viel kaputt machen? Never ever again.

Der Plan „wir warten die erste Woche drüber ab und legen danach los“ wurde in „okay, mal sehen, wie lange wir stupsen müssen, bis Madam freiwillig auszieht“ geändert. Von Nachtkerzenöl-Kapseln und Himbeerblättertee über Heublummendampfbad, Damm- und Bauchmassage bis hin zu Akupunktur haben wir alles versucht (ich sag´euch, irgendwann fühlt man sich echt wie ein Truthahn zu Thanksgiving. In alle hilfreichen Löcher wird irgendwas rein gestopft, obwohl der Bauch ohnehin schon bis oben hin gefüllt ist), aber es ging und ging nichts weiter.
Das Problem an wehenfördernden Mitteln? Sie können nur Wehen fördern, wenn Wehen da sind – Wehen auslösen ist ein Mythos. Also Treppen auf und ab laufen und solche Späße könnt ihr euch schenken, bis euer Kind entscheidet, dass es los geht.
Und so erreichten wir den Wochenwechsel 41ste / 42ste Woche am 22. Juni 2017 – Befund nach wie vor: Muttermund knapp 2 cm geöffnet, noch ein Rest Gebärmutterhals und keine nennenswerte Wehentätigkeit.
Beim Muttermund-Tasten hat meine Hebamme dann eine Eipollösung durchgeführt – der letzte Versuch vor dem berühmt berüchtigten Rizinusöl-„Cocktail“ (deshalb in Anführungszeichen, weil meine Hebammen keinen Cocktail verabreichen, sondern ein Spiegelei in Rizinusöl anbraten – hat wohl den selben Effekt, ist aber besser verträglich) – und was soll ich sagen? Das war dann wohl der entscheidende Auslöser für Rebella sich doch einmal auf den Weg zu machen.

In der Nacht vom 22. zum 23. Juni hat sich der Schleimpfropf gelöst und Freitag Mittag, pünktlich um 12 Uhr, haben die Wehen eingesetzt. (An dieser Stelle kommen wir also – endlich – zur Geburt selbst)
Wehen-Abstände von 30 bis 40 Minuten – da war ich mir noch nicht so sicher, ob das nun wirklich der Geburtsbeginn sein soll. Nach etwa 1,5 Stunden – also gegen 13.30 Uhr – habe ich mich dazu entschieden erst mal zu baden, der ultimative „sind das jetzt wirklich Geburtswehen“-Test.
Nach der Badewanne war ich mir nicht nur sehr sicher, dass es Geburtswehen waren – die Wehen kamen auch regelmäßiger, erst alle 20 Minuten, dann alle 15 Minuten, alle 10 Minuten, die 5 Minuten Marke haben wir glatt übersprungen, sodass ich gegen 17 Uhr Wehen im Abstand von 3 bis 4 Minuten hatte.
Nachdem ich Chriz gegen 16 Uhr noch los geschickt habe (wir waren ja so blauäugig und hatten für den 23ten Juni Konzerttickets für die Prinzen auf der IGA organisiert) um sich einen schönen Abend zu machen, durfte er – kaum auf dem IGA Gelände angekommen – umdrehen und zurück nach Hause kommen. Der festen Überzeugung wir würden an dem Abend noch unsere kleine Rebella im Arm halten. Wir hatten ja keine Ahnung was da noch auf uns zukommen würde!

Nach einem Telefonat mit unserer Hebamme haben wir uns um 20 Uhr im Geburtshaus verabredet – Taxi gerufen, Geburtshaustasche, Maxi Cosi und ordentlich Verpflegung eingepackt und los ging es!
Nach kurzem Begrüßen („Dein Voodoo hat geholfen“) und einem aktuellen Lagebericht, bezogen wir einen Geburtsraum und es wurde erst einmal ein CTG geschrieben. Das erste CTG auf dem Wehen zu sehen waren – die Wehen kamen nach wie vor regelmäßig (leider aber nicht so regelmäßig wie zuhause), aber die Muttermund-Untersuchung war sehr ernüchternd – Gebärmutterhals ganz verstrichen, aber der Muttermund nach wie vor bei 2 cm, so schnell passiert da nichts. Das war unserer Hebamme natürlich klar und wir wurden erst mal wieder nach hause geschickt.
Ich sag´s euch: so oft Taxi gefahren, wie um die Geburt herum, bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Zuhause sollte ich erst einmal versuchen noch ein bisschen zu schlafen – Chriz hat das (GLÜCKLICHERWEISE) auch geschafft, ich nicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits erbrochen, bekam auch nicht mehr wirklich etwas essbares runter und hatte ehrlich gesagt schon keine Lust mehr darauf, dass der Spaß noch lange dauert.
Dazu muss ich sagen: ich habe wirklich ein sehr begrenztes Schmerzempfinden. Arm gebrochen – was solls. 6 Stunden am Stück tätowieren, unter anderem die Achsel – geht alles. Wurzelbehandlung ohne Schmerzmittel – was solls. Aber die Wehen…die habe ich gespürt, jede Einzelne und ich beneide wirklich niemanden mit normalem Schmerzempfinden. Auf Schmerzen kann man echt verzichten!

Um 3 Uhr morgens war es dann wirklich nicht mehr auszuhalten und nach einem Telefonat mit Natalie (unserer Hebamme) ging eine Stunde später wieder ins Geburtshaus.
In der Zwischenzeit (also zwischen unseren Besuchen) hat Natalie einem anderen kleinen Menschen auf die Welt geholfen (WARUM GEHT DAS BEI ANDEREN SO SCHNELL UND ICH BRAUCHE SO EWIG???) und damit ihre maximale Arbeitszeit überschritten, weshalb wir eine andere Hebamme aus dem Geburtshaus an unsere Seite gestellt bekommen haben. Anne war mega lieb und hat uns auch gut begleitet, aber es macht einen enormen Unterschied, ob man seine Hebamme seit Monaten kennt oder ob es eine quasi fremde Person ist.
Wieder wurde ein CTG geschrieben (immer noch Wehen) und der Muttermund untersucht . . . gerade mal 2,5-3 cm! Diese ganzen Schmerzen für gerade mal einen scheiß Zentimeter??? Ich habe mich definitiv ziemlich verarscht gefüht!
Gegen 7.30 Uhr – weil sich die Geburt ja doch noch ewig ziehen könnte – führen wir also wieder nach Hause, Wehen veratmen funktioniert ja quasi überall. (Taxifahrt Nummer 4!)

[Mittlerweile Samstag, 24. Juni – nur, um einen roten Faden einzuspinnen] Chriz hat den Tag über dann versucht so viel Essen in mich hinein zu schaufeln, wie irgendwie möglich, aber außer einer Schüssel Suppe und ein paar Erdbeeren bekam ich einfach nichts mehr runter. Nicht einmal meine heiß geliebten Jumpys mochte ich in der Situation leider.
Und doch haben wir es irgendwie geschafft bis abends gegen 19 Uhr zuhause zu bleiben bevor wir Taxifahrt Nummer 5 und den dritten Besuch im Geburtshaus antraten. Zu diesem Zeitpunkt „lag“ ich bereits 31 Stunden in den Wehen und hatte das Mitleid aller Beteiligten und Unbeteiligten auf meiner Seite. Aber aufgeben war keine Option – so lange ich Kraft hatte, wollte ich es außerklinisch und ohne Schmerzmittel versuchen!
Nach dem CTG und der wieder sehr ernüchternden Muttermund-Untersuchung (3,5cm) mussten wir das weitere Vorgehen planen! Zunächst wollte Natalie (WIR HATTEN UNSERE HEBAMME WIEDER!!!) ihr gesamtes Voodoo-Arsenal auffahren und so wurde ich noch einmal Akupunktiert. Ich sag´s euch…Mini-Nadeln im kleinen Zeh sind gar nicht mal so lustig! Über die Wirksamkeit von Akupunktur lässt sich bekanntlich streiten, ich hatte aber das Gefühl, dass es tatsächlich geholfen hat und ich nochmal etwas Kraft tanken konnte. Und so ging es gegen 22.00-22.30 Uhr in die Badewanne (hätte das Kind es nicht dabei belassen und eine Wassergeburt werden können? – sie hatte anderes vor…)!
Eine Stunde knapp durfte ich die Wehen im warmen Wasser über mich ergehen lassen und es stimmt tatsächlich – Wehen im Wasser veratmen ist um so vieles leichter. Ich war sogar wieder zu Scherzen aufgelegt – „so lange ich nicht so laut kreische wie Steven Tylor ist ja alles gut“ (Aerosmith bei der Geburt hören wollen war eine geniale Idee! WIRKLICH!) – hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, was noch auf mich zukommt, hätte ich mir den Witz wohl geklemmt.

Nach dem Baden wurde mein Muttermund wieder untersucht und nachdem wir gerade mal bei 4 cm waren und sich Natalie und Chriz mehr und mehr Sorgen um mich und meine nachlassenden Kräfte machten, wurde das angesprochen, was ich eigentlich gar nicht hören wollte: eine Verlegung ins Krankenhaus war zu diesem Punkt nötig, die Geburt dauerte einfach schon zu lange und auch wenn Rebella noch nicht all zu gestresst war (Herztöne waren absolut perfekt), lange würden wir das beide nicht mehr aushalten.
Und so wurden wir von Natalie ins Krankenhaus gebracht – gegen Mitternacht bezogen wir dann „unseren“ Kreissaal im Auguste-Viktoria-Klinikum.

Ich hatte einen Geburts-Plan für den Fall der Fälle (also das Krankenhaus) und ich kann euch sagen: eine Geburt ist sowas von überhaupt nicht planbar, ich habe den gesamten Plan über Board geworfen!
Ein Teil des Plans war es auf eine PDA zu verzichten – ich habe so unglaublich viel darüber gelesen und wollte eben deshalb keine PDA gelegt bekommen, Natalies letzter Ratschlag an mich war allerdings, die PDA nicht komplett auszuschließen, denn nach so vielen Stunden Wehen ist es manchmal besser durch eine PDA ein paar Stunden Schlaf zu ergattern – da kann die Geburt danach auch mal schneller gehen als würde ich drauf verzichten.
Zuerst wollten wir es aber mit Lachgas versuchen. Ich war in 24 Jahren noch nie betrunken, aber ich glaube, betrunken sein muss sich genau so anfühlen wie Lachgas. Ich hatte keine Kontrolle mehr über mich, musste die ganze Zeit dümmlich grinsen und wegen jedem Mist lachen und das aller schlimmste? Ich habe gesprochen wie Captain Jack Sparrow – inklusive dazu gehöriger Gestik!
Auf die Aussage „Muttermund ist jetzt bei 5 cm“ stelle man sich jetzt also eine dümmlich grinsende Elena vor, die mit ihrem Zeigefinger durch die Luft wedelt und in besoffenem Piratisch „das reicht aber noch nicht“  als Antwort gibt.
Nach einer Stunde Lachgas wollte ich diese Maschine nicht mehr sehen, sondern doch die PDA haben – und da konnte es mir dann gar nicht schnell genug gehen.

Bevor man eine PDA legen darf, gibt es erst mal einen hübschen Stapel Papierkram auszufüllen – ALS HÄTTE ICH IN DEN WEHENPAUSEN (die nebenbei bemerkt echt minimal waren, diese paar Sekunden als „Pause“ zu bezeichnen ist purer Hohn!) NICHTS BESSERES ZU TUN!!! -, den Chriz sich dann vornehmen musste. Auf seine ersten Fragen konnte ich sogar noch einigermaßen sachdienlich antworten, irgendwann hat er nur noch nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt, ich war nicht mehr fähig zu antworten.
Gegen kurz vor 2 Uhr morgens [ja, mittlerweile reden wir über Sonntag, 25. Juni] wurde dann ENDLICH die PDA gelegt. Ich dachte ja, die Wehen wären schlimm, aber die Wehen sind ein DRECK zum legen der PDA. Eine Frau hat mich mit Gewalt nach vorne gezogen, die Hebamme saß neben mir und hat mir ständig diese bescheidenen „Platten“ des CTGs in den Bauch gedrückt und Frau Nummer 3 stand hinter mir und hat mehrfach anästhesiert um die PDA zu legen – 3 mal, weil die aus welchen Gründen auch immer nicht auf Anhieb durch meine Wirbel gekommen ist.
Das Schlimmste am Legen der PDA war dann zusätzlich, dass durch die drei Frauen, die an mir hantiert haben, Chriz soweit abgedrängt wurde, dass er nicht mal meine Hand halten konnte. War ich froh, als das Ding saß und ich endlich wieder liegen durfte.
Das Medikament wirkte wirklich sehr schnell und etwa 10 Minuten nach der ersten Dosis ist doch tatsächlich die Fruchtblase geplatzt. Das war vielleicht ein seltsames Gefühl, ein Ruck durch den gesamten Körper und dann lief der Spaß nur noch!

Trotz PDA durfte ich dann aufstehen und auf Toilette gehen („Sie müssen nicht aufstehen, wir können Ihnen auch eine Bettpfanne bringen oder wir legen einen Katheter“ – ja genau, so weit kommt es noch!) – dummerweise ging mit dem Fruchtwasser auch Kindspech ab, was einen gewissen Druck in die Geburt gebracht hat. Kindspech bedeutet zum einen, dass das Baby Stress hat und das ist sowieso nie gut, zum anderen aber auch, dass sich noch ein Teil davon im Fruchtwasser befindet und das Baby deshalb etwas davon in die Lungen bekommen könnte.
Nachdem auch die Herztöne immer schlechter wurden, war wirklich Eile geboten. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, ob mir wehenfördernde Mittel verabreicht wurden – ich weiß, dass durchgehend Flüssigkeit über einen Zugang lief, aber was da sonst noch so in mich hinein gepumpt wurde, kann ich heute nicht mehr sagen -, von den nächsten knapp zwei Stunden habe ich größtenteils nur noch verschwommene Erinnerungen.
Durch die PDA bekam ich sehr wenig mit – ich stand quasi 3 Meter neben mir – aber der Muttermund öffnete sich mehr oder weniger ohne mein aktives Zutun.
5 cm – 6,5 cm – 8 cm – 9 cm . . . zwischen durch wurde immer wieder Blut von Rebellas Köpfchen abgezwackt, um die Versorgung zu prüfen („so viele schwarze Haare hab ich ja noch nie im Geburtskanal gesehen, ich muss hier erst mal kämmen“) – bis um 4 Uhr die Presswehen einsetzten. (10 Minuten vorher wurde der Muttermund untersucht – eben die 9cm)

„Ich habe Presswehen, ich muss jetzt pressen“ – Ich.
„Der Muttermund ist bei 9 cm, Sie haben keine Presswehen, das fühlt sich nur so an“ – Hebamme
„Wenn der Muttermund noch nicht offen ist, bringt das nichts“ – Ärztin
„Wenn es noch nichts bringt, dann spar dir doch die Kraft“ – Chriz

Mein Gedanken in dem Moment „Könntet ihr einfach alle die Klappe halten, das sind Presswehen!!!“

Nachdem ich dann mehrfach wiederholt habe, dass es Presswehen sind, dass ich nicht nicht pressen kann und dass ich auch einfach nicht mehr kann, hatte die Ärztin erbarmen mit mir und der Muttermund wurde nochmal kontrolliert. „Huch, das sind ja tatsächlich schon 10 cm“ – Aussage der Hebamme…ach nein, hab ich das nicht schon gesagt?
Damit hatte ich dann – endlich – auch die Erlaubnis zu pressen und der Final Countdown wurde gezählt. Nachdem ich schon am Ende meiner Kräfte war – kein Wunder, nach 40 Stunden Wehen – und dem Druck im Nacken, dass nicht mehr viel Zeit verstreichen durfte, hat die Ärztin ein bisschen nachgeholfen und bei den Wehen auf den Bauch gedrückt, damit das Kind schneller durch den Geburtskanal rutscht – in den „Wehenpausen“ hat sie diesen Druck gehalten, damit Rebella nicht wieder zurück rutscht (eigentlich geht das ja langsam, hin und her und hin und her, bis das Köpfchen schließlich durch passt). Nach etwa 20 Minuten, in denen zwar immer mehr Kopf, aber eben noch nicht der ganze Kopf, zu sehen war, wollte die Ärztin auf Plan b zurück greifen – eine Saugglockengeburt.
Davon war ich so gar nicht begeistert, aber ich hatte auch nicht mehr die Kraft zu diskutieren. Das Ansetzen der Saugglocke war so unglaublich schmerzhaft und nachdem ich das ohnehin nicht wollte, Rebella sollte ganz natürlich auf die Welt kommen, habe ich so fest gepresst, dass die Saugglocke gar nicht mehr nötig war.
Zusammengefasst war Rebella auf drei Presswehen da – erste Presswehe: Kopf und linke Faust (ja, das Kind hat es tatsächlich fertig gebracht zu ihrem Kopf auch noch die Faust raus zu schieben! Rebella ist der perfekte Kosename für diese kleine Madam!!!) – zweite Presswehe: der Körper! – dritte Presswehe: Plazenta.

Und da war sie nun – am 25. Juni 2017 um 4.32 Uhr kaperte die kleine Piratenprinzessin Louisa Maria (kurz: LOU!) unsere Herzen!
52 cm klein, 3410 Gramm leicht und so unglaublich sauber, dass ich irgendwie kaum glauben konnte, dass dieses kleine Menschlein erst vor wenigen Augenblicken geboren wurde!

Ich war so glücklich darüber mein kleines Mädchen endlich im Arm zu halten und konnte in diesem Moment nichts anderes sagen, als ungefähr 100 mal hintereinander zu wiederholen, dass Chriz die Nabelschnur durchschneiden sollte (es war mir wirklich wichtig, dadurch wurde er noch mehr in die Geburt eingebunden und ich wollte auch nicht, dass Lou von irgendjemand anderem als ihrem Papa abgenabelt wurde). Und danach wird es ehrlich gesagt auch schon ziemlich schwarz in meiner Erinnerung.

Lou hatte ihren ersten Schrei los gelassen und ist dann auf meiner Brust eingeschlafen, die Ärztin und die Hebamme waren damit beschäftigt mir etwas zu spritzen, damit die Blutungen schneller stoppen (ich hatte wohl schon gut einen halben Liter Blut verloren), und mich zu nähen – yay, Dammriss zweiten Grades, es war mir so egal! – und haben uns dann ziemlich schnell alleine gelassen, Chriz ist am Kreissaalbett eingeschlafen und auch ich bin dann sehr schnell weggenickt.

Zwei Stunden wollten man uns alleine lassen, alleine waren wir dann tatsächlich fast drei Stunden – aber der Schlaf hat unglaublich gut getan! Nach Schichtwechsel wurden wir von einer neuen, jungen und unglaublich netten Ärztin versorgt.
Gemeinsam mit Chriz wurde Lou das erste Mal untersucht, das erste Stillen hat prima geklappt und ich sollte einmal aufstehen und beweisen, dass es mir gut geht.
„Entschuldigung, die PDA läuft aber noch!“ – „nein nein, die PDA wurde sicher schon abgestellt!“.
Jedenfalls wurde die PDA dann entfernt und ich sollte aufstehen, das Gerät vorher überprüfen wäre vermutlich die klügere Idee gewesen, denn die PDA lief natürlich noch und ich bekam etwa 10 Minuten bevor ich aufstehen sollte noch eine schöne Dosis Medikament „gespritzt“. Wenige Schritte später bin ich dann komplett weggeklappt, war kaum ansprechbar und laut Chriz war mein Blick sehr sehr abwesend.
Nachdem ich dann kurze Zeit später wieder ansprechbar war, wurde das erste Aufstehen auf später verschoben (aber natürlich nur in ärztlicher Beobachtung) und wir wurden aus dem Kreissaal in ein Stationszimmer verlegt.
Da sich während der Geburt Kindspech gelöst hatte, mussten wir – genauer gesagt Lou – noch 24 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben – aber das war auch ok so.

Am 26ten Juni 2017 wurden wir, nach einer abschließenden Untersuchung – Lou war top fit -, nach Hause!

Heute, über 5 Wochen später, sind alle Geburtsverletzungen verheilt, die Erinnerung verblasst nach und nach und an die Schmerzen der Geburt habe ich seitdem keinen Gedanken mehr verschwendet. Lou wächst und gedeiht, sie hat mittlerweile über ein Kilo an Gewicht zugelegt, und lernt so unglaublich schnell, dass ich gar nicht weiß, wie ich die kleine Motte bespaßen soll!

Für heute soll das erst einmal genügen – ich kuschel jetzt die kleine Piratenprinzessin und wenn sie mir mal wieder ein paar Minuten „Elena-Zeit“ gönnt, erzähle ich euch gerne auch über die ersten Tage und Wochen als Mama!

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