Gedankenkarussell: Über das Leben als (frisch gebackene) Mutter (I)

Ich sitze am Laptop – es ist gerade einmal halb sechs Uhr morgens und Rebella quietscht im Schlaf fröhlich vor sich hin – und lasse meine Gedanken in alle Richtungen kreisen. Ich denke darüber nach, an welchem Punkt auf meinem Weg ich mich befinde, was ich schon erreicht habe und welche Ziele ich noch habe.
Ich, Elena, 24 Jahre jung und seit genau vier Monaten frisch gebackene Mutter einer Tochter, die süßer nicht sein könnte und die mit ihrem wunderschönen Lächeln wirklich alle schlechten Gedanken, alle Ängste und alle Zweifel heilt. Heute vor einem Jahr hätte ich niemals gedacht, dass ich bald Mutter sein werde (drei Tage später wurde ein großes Blutbild gemacht und ich habe es erfahren). Und heute in einem Jahr . . . heute in einem Jahr bin ich nicht nur Mutter, sondern werde den Mann, der schon jetzt sein Leben mit mir teilt, wirklich „meinen Mann“ nennen dürfen und es genau so meinen können.
Heute vor einem Jahr waren wir frisch verliebt, haben im September den ersten Urlaub mit einander verbracht und uns aus Prag ein Mitbringsel mitgebracht, das unser Leben auf den Kopf gestellt und ordentlich durch geschüttelt hat. Heute in einem Jahr wird dieses kleine Mitbringsel schon laufen, es wird sprechen und uns mit unseren neuen Namen – Mama und Papa – ansprechen. Heute in einem Jahr werden wir auf unsere Hochzeitsreise zurück blicken – heute in einem Jahr werden wir auch offiziell eine richtige Familie sein.

Ende Oktober 2016 – also tatsächlich vor knapp einem Jahr – warst du, kleine Lou, nichts weiter als Zahlen. Ein HCG-Wert. Zwei Striche auf 7 Schwangerschaftstests, weil ich es so gar nicht glauben konnte. Ein Attest mit Überweisung zum Frauenarzt. Ein Zellklumpen. Ein Gummibärchen. UNSER Gummibärchen. Du warst ein ziemlicher Schock. Du warst ungeplant, aber herzlich willkommen und vom ersten Moment an geliebt.
12 Monate (und eine echt nervige, anstrengende Schwangerschaft) später und du bist da – ein kleiner Mini-Mensch. Ein kleines perfektes Wesen. Du bist da und die Welt dreht sich um dich, du bist unsere Welt, der Mittelpunkt unseres Universums.
Du bist da und ich bin Mama.

Schon beim Schreiben dieser Zeilen merke ich, wie kitschig sich das für Außenstehende lesen muss und früher hätte ich von mir behauptet niemals solche Sätze zu tippen…so kann man sich in sich selbst irren. Vier Monate „Mum Life“ können einen doch ganz schön verändern und während ich in der Schwangerschaft noch verhältnismäßig hart war, so habe ich jetzt das Gefühl ein weicher Matschklumpen zu sein. Aber ein glücklicher Matschklumpen, also geht das schon klar, denke ich (und wenn nicht, schiebe ich es einfach auf die Hormone. Hormone sind eine tolle Ausrede für ALLES!).
Wenn ich die letzten vier Monate in Gedanken Revue passieren lasse, ist dafür, dass eigentlich gar nicht so viel passiert ist und wir gar nicht so viel unternommen haben, doch eine ganze Menge passiert. Aber ich glaube, dass das, was passiert ist, tatsächlich ein innerer Prozess und von außen nicht unbedingt sichtbar ist. Ja, ich habe mich verändert. Ich habe mich sogar sehr verändert. Lou hat mich verändert.

In der Schwangerschaft habe ich mir Pläne gemacht – Haushalt mit Baby, mit links. Blog mit Baby, schaffe ich. Familie, Freunde und „Elena-Zeit“ mit Baby – das bekomme ich schon unter einen Hut. Realität? Baby mit Baby, das bekomme ich gebacken! Für mehr reicht es nur bedingt. Ich will nicht nur Mutter sein – ich kann nicht nur Mutter sein. Elena Quarktasche! Und wie ich kann! Es ist ja nicht so, als hätte ich ein Kind, das den ganzen Tag weint und schreit und sein Leben und die Welt scheiße finden würde. Im Gegenteil, ich habe ein Kind, das schon mit einem Lächeln im Gesicht wach wird, mich wach streichelt und (ganz neu) wach singt. Ich habe ein Kind, das glücklich ist – das neugierig ist – das das Leben toll findet und alles ausprobieren will. Lou ist unkompliziert und fröhlich und sie verzaubert alle in ihrer Umgebung.
Das ist, denke ich, auch der springende Punkt – es ist nicht so, dass ich mit Baby nichts anderes machen könnte, ich möchte es einfach nicht. Ich möchte nicht einen Moment im Leben dieses kleinen Menschens verpassen, nur weil es mir wichtiger war Wäsche zu waschen oder den Geschirrspüler auszuräumen. Ich möchte nicht x Beiträge verfassen und dafür nicht dabei sein, wenn Lou gerade etwas ganz Neues lernt. Ich möchte mein Kind nicht ständig abgeben, nur um Zeit für mich zu haben – Lou wird Mama und Papa früh genug doof finden! Dafür, dass ich mir so gar nicht vorstellen konnte nur Mama zu sein, finde ich es mittlerweile unglaublich toll!

Es ist kaum zu glauben, wie schnell dieser Mini-Mensch wächst, lernt und sich entwickelt. Gefühlt jeden Tag macht sie irgendetwas absolut Neues und fasziniert mich damit auf eine ganz neue Art.
Wie sie lächelt, wenn sie mich erkennt und herzlich los lacht, wenn ich Blödsinn mit ihr mache – wie sie immer gezielter nach ihren Spielsachen greift (und das nicht nur mit den Händen, unsere Motte ist eigentlich ein kleines Äffchen und greift alles mit den Zehen!) – wie sie sich durchs Bett rollt und nach jeder Umdrehung zu mir sieht, damit ich auch bloß begreife, dass sie das jetzt kann.
Wie sie sich jeden Tag neue Herausforderungen sucht, immer mehr lernt, keine Angst davor hat zu versagen, sondern genau weiß irgendwann schafft sie das – egal wie lange es dauert.

Lou, du hast mir in gerade einmal vier Monaten so viel Wichtigeres beigebracht, als einem irgend ein Lehrer jemals beibringen könnte.
Das Leben passiert einfach, egal wie viel wir planen (auch wenn ich das echt gerne mache), wünschen und erzwingen wollen. Manche Dinge funktionieren, weil sie einfach dafür bestimmt waren zu funktionieren und andere Dinge müssen wir abschreiben, nicht weil wir es nicht könnten, sondern weil es das manchmal einfach nicht wert ist. Du hast mir beigebracht, dass Menschen, die einem wirklich wichtig sind und denen man am Herzen liegt, bleiben – egal wie schwer eine Situation ist. Doch das Leben und die unterschiedlichen Hürden, die wir nehmen müssen, sortieren nach und nach aus, wer kein fester Bestandteil unserer Familie sein wird.
Mit dir hat alles neu angefangen – ein neuer Lebensabschnitt, ein neues Kapitel, der Anfang unserer kleinen Familie. Und du kleiner Mini-Mensch, der in cm und Gramm so wenig Platz braucht, nimmt in unzähligen Herzen so viel Platz ein, dass man sich die Tragweite gar nicht vorstellen kann.
Unsere kleine Familie, die durch dich praktisch erst zur Familie wurde, ist so viel größer, als ich jemals vermutet hätte. Du hast deine Mama und deinen Papa. Du hast zwei Omas und drei Opas. Du hast vier Uromas und zwei Uropas. Du hast zwei Onkel und zwei Tanten. Und du hast so wundervolle Herztanten, die zwar genetisch vielleicht nicht als Familie zählen, aber für uns genau das sind – Familie.

Der Beitrag ist ohnehin schon sehr kitschig, also kann ich auch weiter kitschen:
Liebe Inka, Liebe Lea – seit ihr Teil meines Lebens geworden seid, macht ihr mein Leben bunter und verrückter und mit Sicherheit hin und wieder ein bisschen komplizierter, aber um vieles glücklicher! Ihr seid das, was Berlin für mich seit Jahren zu einem Stück zuhause macht – ihr seid der Grund, wieso ich mich hier wohl und aufgehoben fühle.
Während andere Freundschaften zerbrochen sind, sobald die Situation etwas kompliziert wurde, seid ihr geblieben – und ich bin sehr sehr dankbar dafür, dass Lou euch in ihrem Leben haben darf! Ich weiß, dass ihr Lous Leben genau so bunt, verrückt und ein bisschen kompliziert machen werdet, wie meins!
Liebe Sanni, während du vor einem Jahr noch hauptsächlich Chriz´ Freundin warst, bist du mittlerweile nicht nur Freundin, sondern Familie! Lou hat dich in ihr Herz geschlossen und auch du bist eine ihrer Herztanten! Du bist verrückt und kompliziert und manchmal viel zu gut für diese Welt, aber es gibt Menschen, die genau das an dir schätzen und die dich dafür lieben, vergiss das nicht!
Ich freue mich jetzt schon darauf, dass unsere Familie mit der Hochzeit nächstes Jahr ein Stück weiter zusammen rückt und, dass Inka und Sanni diesen Tag mit uns verbringen werden. Und ich bin Mama, ich darf kitschen! Ein Hoch auf die Hormone!

Eigentlich wollte ich keinen Kitsch-Beitrag schreiben. Eigentlich wollte ich mich sogar so richtig auskotzen – über Freunde, die sich als Bekanntschaften geoutet haben. Über Behörden. Über dumme Leute, die ihre Vorurteile nicht für sich behalten können, sondern mit schräge Vorträge halten. … und all das wird auch noch kommen. Aber nicht heute.

Heute ist Lou auf den Tag genau vier Monate. Vier Monate, die ich Mama dieses wundervollen kleinen Mädchens sein darf. Vier Monate, in denen ich mehr gelacht habe, als in manchen Jahren. Vier Monate, die mir gezeigt haben, was wirklich wichtig ist.

In Liebe,

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