Pädophilie. – ein Nachwort! | Tabubruch.

Den Beitrag zum Thema „Pädophilie“ – vor allem aus dieser Sichtweise – zu veröffentlichen, war ein Risiko. Ich habe mich damit auf sehr dünnes Eis begeben, denn das Thema ist hochexplosiv und viele Menschen schaffen es nicht ihre persönlichen Gefühle auszublenden, um die Thematik so neutral zu betrachten wie möglich.
Ich bin allerdings nach wie vor davon überzeugt, dass wir ein Problem nicht lösen, indem wir ihm nur mit Hass, Wut und Gewaltphantasien begegnen. Das Prinzip „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ funktioniert einfach nicht, sonst leben wir als bald in einer Gesellschaft, in der jeder blind ist und nichts mehr sagen kann.

„Der Horizont mancher Menschen ist ein Kreis mit Ra-
dius Null und das nennen sie dann ihren Standpunkt!“

oder auch:

„Es ist schwieriger eine vorgefasste Mei-
nung zu zertrümmern, als ein Atom.“

Albert Einstein Zitate passen irgendwie in jeder Situation. Ich möchte mich bei euch dafür bedanken, dass eure Kommentare unter dem Beitrag (im Großen und Ganzen) niveauvoll und vor allem VERSTÄNDNISVOLL waren. Ihr habt tatsächlich versucht, das zu lesen was ich schreibe und mich auch zu verstehen – und dafür bin ich euch unglaublich dankbar!
Frida von 2KindChaos hat meinen Beitrag auf ihrer Facebook-Seite geteilt und die Reaktionen darunter waren … lange nicht so niveauvoll. Auch das Verständnis hat mir sehr gefehlt (aber gut, was möchte man von Eltern, die Angst um ihre Kinder haben und nicht weiter denken wollen, als zwischen Wand und Tapete, wenn ich das mal so sagen darf, anderes erwarten) und ich hatte tatsächlich auch den Eindruck, dass die Leute gar nicht versucht haben, meinen Beitrag zu verstehen, sondern sich an Sachen aufgehangen haben, die einfach … sinnlos waren. Die Kommentare unter dem Facebook-Post sind jedenfalls extrem ausgeartet und deshalb habe ich beschlossen in diesem Beitrag nochmal einige Dinge klar zu stellen.
Ich verurteile die Eltern nicht dafür, dass sie Angst um ihre Kinder haben – ich verstehe das sogar sehr gut, schließlich und endlich habe ich selbst eine Tochter. Aber ich denke trotzdem, dass wir nicht nur als „Mama“ oder „Papa“ reagieren dürfen, sondern als Mensch. Und als Mensch ist es meine Pflicht Empathie zu empfinden und zu versuchen das Miteinander für alle möglich und erträglich zu gestalten.
Wir leben nun mal in einer Gesellschaft und wenn das funktionieren soll, muss ich offen für die Probleme anderer sein und lösungsorientierte Hilfen anbieten.


  1. Wie ich zu dem Schluss komme, dass Pädophilie eine sexuelle Neigung und keine psychische Störung ist:
    Ich habe es ja in den Kommentaren unterhalb des ersten Beitrags schon geschrieben – Experten sind sich nach wie vor uneinig wo die Pädophilie einzuordnen ist. Es ist (und bleibt sicherlich auch noch eine ganze Zeit lang) ein Streitpunkt.

    „Sexualpräferenz oder sexuelle Präferenz (auch sexuelle Neigung) ist ein Oberbegriff für sexuelle Vorlieben, Neigungen, Wünsche und Phantasien, die sich in entsprechenden sexuellen Verhaltensweisen äußern können. Die Vorlieben können sich auf bestimmte sexuelle Praktiken, auf bestimmte Sexualpartner oder -objekte beziehen.Der Begriff Sexualpräferenz wird meist nur für solche sexuellen Vorlieben oder Neigungen gebraucht, die als von einer Norm abweichend angesehen werden können.“ (Quelle : Wikipedia)

    Diese Definition lässt sich auf Pädophilie transferieren. Weshalb ich aber ein ganz großes Problem mit diesen Definitionen und der Kategorisierung nach ICD-10 habe, ist schlicht und ergreifend, dass die Psychoanalyse eine „moderne Erscheinung“ ist, der Sexualtrieb aber weit länger existiert. Damit meine ich nicht, dass der Sexualtrieb älter als unsere Psyche ist, sondern nur, dass es die Kategorisierung unserer Emotionen und Triebe früher so nicht gab.
    In einer Gesellschaft, in der die Lebenserwartung durchschnittlich 70 Jahre beträgt, ist es unverhältnismäßig ein 12-jähriges Mädchen zu schwängern. Beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung aber nur etwa 40 Jahre (und das war früher nun nachweislich der Fall), ist es fast unumgänglich eine 12-jährige als Erwachsen zu betrachten.
    Vor allem wenn man darüber nachdenkt, dass Frauen im Mittelalter beispielsweise 2 – 4 Kinder zur Welt gebracht haben, in ihrem Leben aber insgesamt bis zu 20 mal schwanger waren.
    In Deutschland liegt das Alter der Erstgebärenden im Durchschnitt bei 28-31 Jahren – das wäre in einer Zeit, in der wir gerade mal 40 Jahre alt wurden, gar nicht möglich gewesen.
    Ich gehe davon aus, dass eine Pädophilie also ein Überbleibsel aus früherer Zeit ist. Das macht es nicht „besser“, aber meiner Meinung nach nachvollziehbarer.
    Denn natürlich passt sich der Mensch seiner Umgebung an (auch wenn ich meistens den Eindruck habe, dass der Mensch seine Umgebung sich anpasst) und das bedeutet auch, dass unser Sexualtrieb sich mit der längeren Lebensspanne verändert hat. Es kommt aber immer wieder vor (nicht nur bei den sexuellen Neigungen), dass es Menschen gibt, die noch Überbleibsel von früher haben.
    Andere Beispiele dafür wären starke Körperbehaarung oder (was wir ja alle noch haben) das Steißbein als Rest vom Schwanz.

    Ein weiterer Punkt, der Pädophilie für mich zur Neigung und nicht zur Störung macht, ist, dass sich diese sexuellen Präferenzen bereits in der Pubertät zeigen. Also in einem Zeitraum, in dem Jugendliche auch sexuelle Anziehung zu gleich- oder gegengeschlechtlichen Partnern feststellen.

  2. Einen Kommentar fand ich sehr interessant, die Dame wollte mich eigentlich widerlegen und argumentierte dann mit der Tierwelt und dass Sex nicht nur zum Arterhalt dient, sondern ein Hahn beispielsweise seine gesamte Hühnerschar vergewaltigt.
    Fakt ist nämlich, dass gelebte Pädophilie, Vergewaltigung, das Verspeisen des Sexualpartners und auch das Töten und Fressen kranker / behinderter Kinder in der Tierwelt ganz normal ist.Und egal wie überlegen wir uns als Menschen den Tieren gegenüber fühlen – wir sind genau das, ein Tier mit Trieben. Der Unterschied zwischen uns und Tieren ist, dass wir eine Werte- und Moralvorstellung haben und die bestimmte Handlungen einfach verbietet – Mord und Vergewaltigung zum Beispiel.Ich denke dennoch, dass diese Triebe in unserer Natur – unserem Genpol verankert ist. Und das schließt eben die Pädophilie ein. Es ist ein angeborener Trieb, dessen Auslebung unsere Moral verbietet. Genau so wie Mord, aber wenn ich mir das Abschlachten unschuldiger Kinder in Syrien ansehe, dann zeigt sich doch ganz deutlich, dass auch diese Triebe ausgelebt werden.
  3. Legalisierung.
    Als ich dieses Wort im Verlauf der Diskussion gelesen habe, hat sich mir der Magen umgedreht. ICH HABE NIEMALS (!) VON LEGALISIERUNG GESPROCHEN und würde das auch niemals tun. Sexueller Missbrauch von anderen Menschen kann niemals etwas sein, dass ich akzeptieren würde.
    Und ein Pädophiler, der sich an einem Kind vergangen hat, muss für seine Taten bestraft werden – ganz ohne Frage!
    Ich ziele nicht auf eine Legalisierung der Tat ab, sondern auf eine Enttabuisierung der Thematik.Was macht dich als Menschen aus?
    Sicher nicht deine Sexualität. Sondern deine Gefühle, deine Interessen, deine Meinung. Ein Mensch hat unendlich viele Facetten, eine davon ist die Sexualität, aber die bestimmt doch nicht wer wir sind, sondern nur von wem oder was wir uns angezogen fühlen.
    Die Tabuisierung von Pädophilie führt dazu, dass jemand, der sich offen zu dieser Neigung bekennt, gesellschaftlich nicht länger ausgestoßen wird. Es muss gesehen werden, dass auch dieser Mensch nicht von seinen sexuellen Neigungen definiert wird.
    Auch dieser Mensch hat Eltern, Familie, Freunde, einen Job, Interessen, Hobbys … und sitzt nicht den ganzen Tag vorm Rechner auf der Suche nach Nacktfotos von Kindern oder auf einer Bank auf dem Spielplatz und beobachtet euch, wie ihr mit euren Kindern spielt.
  4. Angekreidet wurde auch, dass ich Pädophilie mit Hetero- und Homosexualität gleichsetze. Da frage ich mich tatsächlich warum? Die Gefühle, die der Mensch verspürt sind ganz genau die gleichen.
    Der Unterschied – und das möchte ich nochmal ganz deutlich machen – ist, dass ein hetero- oder homosexueller Mensch die Möglichkeit hat, seine Sexualität auszuleben, ohne dass dabei ein anderer zu Schaden kommt. Es gibt die Möglichkeiten Beziehungen oder Affären einzugehen, One-Night-Stands, Prostitution, … kurz: es gibt so viele Möglichkeiten, dass jeder sexuelle Befriedigung erlangen kann.
    Auch Sadisten haben die Möglichkeit eine Beziehung mit einem Masochisten einzugehen, sodass beide ihre Wünsche ausleben können.Ein Pädophiler hat keine dieser Möglichkeiten.
    Während ein Erwachsener (in der Regel) abschätzen und einschätzen kann, was eine Beziehung zu einem anderen Menschen bedeutet, die Konsequenzen abwägen und sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden kann, kann ein Kind das nicht.
    Eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe zwischen einem Erwachsenen und einem Kind ist nicht möglich. Das Kind verdient unseren Schutz und unsere Fürsorge. Es ist unsere Verpflichtung für ihr Wohlergehen zu sorgen!
    Damit bleibt der Wunsch, das Verlangen, die sexuelle Neigung eines Pädophilen dauerhaft unbefriedigt – es sei denn, er würde sich an einem Kind vergehen.
    UND DA SETZT DIE ENTTABUISIERUNG AN! Wenn das Thema enttabuisiert wird, den Menschen damit die Möglichkeit gegeben wird, zu ihrer Neigung zu stehen (sie also offen zu legen, nicht sie aus zu leben!) ohne von der Gesellschaft verstoßen zu werden, vereinfacht es das den Menschen sich Hilfe zu suchen.
    Abgesehen davon stellen wir dann erst einmal fest wie viele Menschen in unserem Umfeld tatsächlich diese Neigung empfinden.Ein Pädophiler, der sich Hilfe sucht braucht Unterstützung von seinem Umfeld. Das bedeutet zum einen, dass dieser Mensch Rückhalt erfahren muss, zum anderen aber auch, dass bestimmte Handlungen überdacht werden. Wenn mir beispielsweise ein guter Freund sagt, dass er pädophile Neigungen hat, dann kann dieser Mensch trotzdem mit uns im Park sitzen und picknicken. Was ich allerdings nicht machen würde: Meine Tochter vor seinen Augen wickeln oder nackt durch den Springbrunnen spielen lassen.

    Ich kann als Frau mit einem Mann befreundet sein, ohne, dass es zwangsläufig zu Sex führt. Und so kann ich einen Menschen mit Pädophilie trotz kleinem Kind im Freundeskreis haben, ohne, dass meine Tochter dauerhaft in Gefahr ist. Ich habe als Mutter die Verpflichtung meine Tochter zu schützen.
    Als Frau, Tochter, Schwester, Freundin,… habe ich aber auch anderen Menschen gegenüber zwischenmenschliche Verpflichtungen. Und so lange meinem Kind nicht unweigerlich Gefahr droht, habe ich kein Recht jemanden für seine Sexualität zu verurteilen.

  5. Der fünfte und letzte Punkt, den ich persönlich sehr wichtig finde, der aber immer unter den Teppich gekehrt wird:
    Auch ein Pädophiler hat eine Mutter und einen Vater, die mit absoluter Sicherheit nicht damit gerechnet haben, dass ihr Kind sich im erwachsenen Alter zu Kindern hingezogen fühlt.
    Das heißt, es besteht die reelle Chance, dass das kleine Kind, das ihr gerade groß zieht und schützen möchtet, in 15-25-35-… Jahren selbst an dem Punkt steht, dass es eine Entscheidung treffen muss – nämlich, Therapie oder Straftat.
    Ich als Mutter wünsche mir, dass wir eine Gesellschaft werden, die dazu in der Lage ist zwischen Sexualität und Straftat zu differenzieren. Dass wir in der Lage sein werden, den Menschen zu sehen und ihm / ihr zu helfen. Dass wir diese Menschen nicht aus der Gemeinschaft drängen, sondern ihnen einen Platz geben und sie dabei unterstützen gegen ihre Triebe anzukämpfen, statt sie damit allein zu lassen und damit in Kauf zu nehmen, dass sie irgendwann straffällig werden.

Ich habe die letzten Tage so unglaublich viel Zeit investiert um mit anderen Menschen zu diskutieren, habe mir die Meinungen durchgelesen und überdacht und habe versucht meinen Standpunkt möglichst klar und einleuchtend zu erklären.
Fakt ist: Wenn man dem Thema nicht die Chance gibt es aus allen Blickwinkeln auszuleuchten, KANN man sich einfach keine Meinung bilden. Ich verstehe die Angst davor, denn etwas, das man nicht versteht macht Angst und natürlich sehen Eltern in einem Menschen mit pädophiler Neigung eine Gefahr für ihre Kinder – Fakt ist aber, dass nur ein Bruchteil der sexuellen Missbrauchs-Delikte auf das Konto von Pädophilen geht. Eine sexuelle Präferenz (also wen oder was man anziehend findet) ist nicht mit sexuellem Verhalten (also mit wem man tatsächlich intim wird) gleichzusetzen.
Ein Homosexueller kann trotzdem Sex mit einer Frau haben, sogar Kinder zeugen – wie oft kommt es denn vor, dass sich Familienväter nach Jahren als homosexuell „outen“ (das Wort mag ich so überhaupt nicht!!!)?
Und auch ein heterosexueller Mensch kann sich beim Liebesspiel mit dem Partner eine dritte (gleichgeschlechtliche) Person dazu holen, ohne dass es etwas an der Sexualität ändert.
Ein Pädophiler kann zwar von einem Kind sexuell angezogen werden, aber dennoch eine Beziehung mit einer gleichaltrigen Person führen und dabei sogar glücklich sein – und vor allem: ein Pädophiler kann sich von einem Kind sexuell angezogen fühlen, ohne diese Lust auszuleben!

Wer auch nach diesem Nachwort noch Kritikpunkte hat oder weiter diskutieren möchte, kann das gerne tun – bitte unter dem Beitrag, es ist unglaublich anstrengend Kommentare auf unzähligen Kanälen zu moderieren.
Ich bitte euch außerdem wieder darum euch niveauvoll zu äußern.

Danke für eure Zeit,

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2 Comments

  1. Hallo Elena!

    Unter einem anderen deiner Beiträge – es war ein Teil der Blogparade 1000 Fragen an dich selbst – hast du auf die Frage, ob du andere Menschen kategorisiert, mit ja geantwortet. Unter anderem kann man dort auch lesen, dass du Nazis in jedem Fall mies findest.
    Gleichzeitig trittst du aber auch dafür ein, Pädophile als mehr zu sehen, als nur ihre sexuelle Präferenz, sondern als Menschen mit Meinungen, Talenten, Makeln.

    Das ist für mich widersprüchlich. Sollte man dann in diesem Sinne nicht auch jemanden, der sein rechtsextremes Gedankengut NICHT aktiv auslebt und NICHT straffällig geworden ist, als mehr betrachten, als einen Nazi?
    Andernfalls, wenn du daran fest hältst, dass auch „Kellernazis“ zu verurteilen sind, müsstest du aber auch anderen das Recht einräumen, Pädophile grundsätzlich schlecht zu finden.
    Kurz gesagt: was unterscheidet diese zwei Beispiele für dich und wo verläuft die Trenungslinie (wann ist es ok, eine Einstellung und die Person dahinter grundsätzlich abzulehnen) ?

    Liebe Grüße und danke für deinen interessanten Beitrag,
    Daniela

    1. Hallo Daniela,

      darauf gibt es tatsächlich eine einfache und kurze Antwort:
      Kannst du beeinflussen, wen du attraktiv findest? Nein.
      Kannst du beeinflussen, ob du ein Nazi bist? Ja.

      Ich verurteile Menschen nicht für Dinge, die sie nicht beeinflussen
      können, sondern nur für Dinge, bei denen sie eine Wahl haben und sich
      dazu entscheiden ein Arschloch zu sein.
      Und Nazis sind tatsächlich genau das – kleine, miese Arschlöcher.

      Nazis, die ihr Gedankengut nicht offen zur Schau tragen, sondern still
      und heimlich in sich tragen, arbeiten in Positionen, wie beispielsweise
      Kindergärten und schleichen sich mit ihren ekelhaft verworrenen Denk-
      weisen in die Köpfe der Kleinsten ein. Sowas kann und will ich nicht unter-
      stützen.

      Und eine sexuelle Präferenz ist mit einer Einstellung tatsächlich einfach
      nicht zu vergleichen.

      Liebe Grüße zurück,
      ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten.

      Elena

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