Pädophilie. | Tabubruch.

Stell dir mal vor:

Dein Partner und du erwartet euer erstes Kind. In eurem Familien- und Freundeskreis seid ihr die Ersten, die mit der Familienplanung angefangen haben und bisher hattet ihr nie viel Kontakt zu Kindern.
Ihr freut euch auf euer kleines Wunder und könnt den Tag, an dem ihr ihn / sie zum ersten Mal im Arm halten werdet, gar nicht mehr erwarten. Voller Vorfreude sortiert ihr die Babyklamotten, streicht das Zimmer und packt gemeinsam eure Tasche, damit für den großen Tag alles bereit ist.

Was du nicht weißt: Dein Partner hat pädophile Neigungen.
Er hat sich nicht getraut dir das zu erzählen. Ihr hattet einige Diskussionen und Gespräche über das Thema, aber er hat schnell gemerkt, dass du deinen Standpunkt nicht ändern würdest und hat es aufgegeben dich zum Umdenken zu bewegen. Es war ja auch nicht wichtig, schließlich lief eure Beziehung ja immer super und er hatte seine Triebe im Griff – außerdem wollte er niemals nachgeben, sich nie an einem Kind vergehen, niemals jemand anderem Schaden zufügen.

Euer Kind erblickt das Licht der Welt und vom ersten Atemzug an liebt ihr diesen kleinen Mini-Menschen über alles.
Doch dein Partner liebt dieses Kind mehr, als er sollte – mehr als richtig ist und vor allem mehr, als er selbst möchte. Das sexuelle Verlangen ist allgegenwärtig und er kämpft dagegen an, weil er euer Kind so sehr liebt und diesem kleinen Wesen auf keinen Fall Leid zufügen möchte.
Er kämpft dagegen an, während er es in den Schlaf trägt.
Er kämpft dagegen an, wenn du ihm das nackte Baby nach dem Baden auf den Bauch legst.
Er kämpft dagegen an, wenn er euer Kind umzieht und wickelt.
Er kämpft jede Minute an jedem Tag gegen diese Triebe an. Und er gewinnt. Einen Tag, einen zweiten, einen dritten, … eine ganze Weile lang geht alles gut.

Euer Kind ist mittlerweile drei und läuft nackig durch euren Garten. Doch er kämpft dagegen an. Es kuschelt sich nachts eng an ihn, weil es ein absolutes Papa-Kind ist und die Nähe braucht. Und er kämpft dagegen an.
Eines Tages kann er nicht mehr kämpfen. Eines Tages wird er schwach und gibt seinen Trieben nach. Er erzählt eurem Kind, dass es schon in Ordnung ist, wenn Papa es mal hier berührt und das das etwas schönes ist – dass die Mama das aber nicht wissen darf, weil sie dann böse ist, dass sie sich so nah sind.
Euer Kind schweigt.

Der Vater durchlebt Schuldgefühle und Selbsthass. Aber – und das ist ihm vielleicht wichtiger – er wurde nicht erwischt. Euer Kind kuschelt weiter mit ihm. Es sagt ihm, wie lieb es ihn hat und dass er der beste Papa auf der Welt ist. So schlimm war dieser eine schwache Moment nicht. Ein zweites Mal ist sicher auch nicht schlimm. Und ein drittes Mal. Immer und immer wieder vergeht er sich an eurem Kind. Anfangs hat er es nur gestreichelt und berührt – irgendwann will er mehr und fordert auch das Kind auf ihn zu berühren.

Euer Kind findet diese Momente mit Papa nicht schön. Es möchte nicht so berührt werden und erst recht möchte es den Papa nicht so berühren. Es verändert sich. Und diese Veränderung fällt dir auf, du kannst nicht leugnen, dass etwas mit deinem Kind passiert und versuchst immer und immer wieder das Gespräch zu suchen, bis sich euer Kind eines Tages öffnet und dir alles erzählt.

DAS ist der Alltag vieler Kinder.


ANMERKUNG:
Der folgende Beitrag ist meine persönliche Meinung inklusive einem Lösungsansatz, den ich persönlich als zielführend erachte. Ich möchte sexuellen Missbrauch (an Kindern) weder verharmlosen noch die Täter in Schutz nehmen. Mein Beitrag befasst sich mit Menschen, die zwar pädophile Neigungen haben, diese aber nicht ausleben.

Anlaufstellen für Menschen mit pädophiler Neigung:
Kein Täter werden
Schicksal und Herausforderung

Ihr wurdet Opfer von sexueller Gewalt?
Hier findet ihr Anlaufstellen!


Das Thema „Pädophilie“ beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit. Nicht, weil ich selbst betroffen bin. Aber ich sehe ein großes Problem darin, dass diese sexuelle Neigung gesellschaftlich tabuisiert und in den Untergrund gerückt wird. Jetzt als Mutter beschäftigt mich das Thema noch unter einem anderen Gesichtspunkt: Es ist meine Aufgabe meine Tochter zu schützen und sie irgendwann altersgerecht darüber aufzuklären, dass es Menschen gibt, die es nicht immer gut mit ihr meinen und vor denen sie sich in Acht nehmen muss.
Ich möchte und werde Menschen mit pädophiler Neigung nicht in die Schublade „böse“ stecken, denn ich Vertrete die Ansicht, dass ein Pädophiler Opfer ist und ohne Hilfe zum Täter werden kann. Aber von vorne:

Im Jahr 2016 wurden 14.051 Fälle von Sexuellem Missbrauch gegenüber Kindern polizeilich erfasst – die Dunkelziffer ist deutlich höher und wichtig ist auch, dass nicht jeder Missbrauch von einem Pädophilen ausgeübt wurde. Dennoch leben Schätzungen zu Folge 50.000 bis 250.000 Männer und 500 bis 2.5000 Frauen mit pädophiler Neigung in Deutschland. Manche von ihnen werden ein Leben lang nicht straffällig, andere haben ihre Triebe nicht so gut im Griff und werden vom Opfer zum Täter.

Ich weiß, dass ich mich damit bei vielen unbeliebt mache, aber ja – ich bezeichne Menschen mit pädophiler Neigung bewusst als Opfer, denn kein Mensch sucht sich seine Sexualität aus – man wird damit geboren. Und so lange ein Betroffener „nur“ sexuelles Interesse an Kindern hat, dieses Interesse aber nicht befriedigt, ist er Opfer, denn er fügt niemandem Schaden zu.
Das Problem an Pädophilie ist, dass diese Sexualität – anders als Hetero-, Bi- oder Homosexualität – niemals einvernehmlich ausgelebt werden kann. Es gibt also keine Möglichkeit diesen Trieb so auszuleben, dass dabei niemandem Schaden zugefügt wird.

Wieso ist es also schlimm das Thema Pädophilie zu tabuisieren?

Zum einen wird ein Problem niemals durch Schweigen gelöst. Zum anderen rutscht alles, was gesellschaftlich nicht akzeptiert und an den Rand gedrängt wird, in den Untergrund. Es gibt für alles einen Schwarzmarkt und Menschen werden dadurch immer in der Lage sein ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ganz egal, was sie konsumieren wollen – auch wenn das bedeutet Kinder zu konsumieren.
In jeder Stadt und auch in vielen ländlichen Gegenden gibt es den „Babystrich“ – Mädchen und Jungen am Anfang der Pubertät, die ihre Körper für Geld verkaufen. Außerdem gibt es – auch in Deutschland – Organisationen, die sexuellen Missbrauch an (Klein-) Kindern nicht nur akzeptiert, sondern auch fördern und in deren Kreisen Elternteile ihre eigenen Kinder anbieten, damit andere sich an ihnen vergehen können.

Was erhoffe ich mir von einer Enttabuisierung?

Pädophilie ist sowohl für die Opfer als auch für Betroffene selbst, ein sehr schmerzhaftes Thema, das enormen Leidensdruck verursacht. Ich denke, dass jemand, der diese Neigung hat, aber jahrelang dagegen angekämpft hat und diesen Kampf irgendwann verloren hat, nicht automatisch ein schlechter oder böser Mensch ist.
Fakt ist aber auch, dass jemand, der sich an Kindern vergangen hat, bestraft werden muss. In so einem Fall wird allerdings nicht mehr gesehen, dass der Täter monate- oder sogar jahrelang gegen seine Triebe angekämpft hat. Versteht mich nicht falsch, das rechtfertigt und entschuldigt seine Handlung nicht – ich bin allerdings der Auffassung, dass die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch nicht beim Täter anfangen darf, sondern bereits präventiv erfolgen muss, also an einem Punkt, an dem der „Täter“ noch „Opfer“ ist.

Ihr müsst euch das mal so vorstellen: In eurem Garten wächst Unkraut, das ihr unbedingt los werden möchtet. Wenn ihr es immer nur abschneidet, kommt es an einer anderen Stelle wieder. Um das Unkraut dauerhaft los zu werden, müsst ihr die Wurzeln entfernen.

Eine pädophile Neigung seht ihr aber niemandem an und kein Mensch wird sich freiwillig „Potentieller Sexualstraftäter“ auf die Stirn schreiben. Zu warten, bis jemand also Täter wird und ihn dann aussortieren, löst das Problem nicht, denn der Schaden ist ja bereits entstanden – und wir reden an dieser Stelle von Menschen, also nichts, was man mal eben mit etwas Geld beheben kann.
Man muss also da ansetzen, wo man die Situation für alle Beteiligten entschärfen kann und es wirklich möglich ist Straftaten zu verhindern – bei Menschen, die gegen diese Neigung ankämpfen.

Das Thema zu enttabuisieren und Betroffenen einen wertfreien Raum zu geben, in dem sie ihre Bedürfnisse äußern können ist der erste Schritt. Es ist unglaublich wichtig ihnen ihren Platz in der Gesellschaft zu erhalten, anstatt sie auszugrenzen und zu meiden. Viele Menschen möchten sich Hilfe suchen, haben aber Angst davor aus ihrem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis ausgestoßen zu werden.

Und wie stelle ich mir das vor?

  1. Es muss ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Pädophilie ist eine sexuelle Ausrichtung, die sich niemand freiwillig aussucht. Menschen, die sich Hilfe suchen, dürfen nicht ausgegrenzt werden!
  2. Der Aufklärungsunterricht muss verändert werden.
    Wenn Kinder ihre eigene Sexualität entdecken, ist es wichtig, dass der Aufklärungsunterricht nicht nur gesellschaftlich anerkannte Sexualitäten (Hetero- / Homosexualität) behandelt, sondern auch Pädophilie besprochen und erklärt wird.
    Es gibt Anlaufstellen für Jugendliche (du träumst von ihnen), die diese Neigungen bei sich entdecken und sich schon im frühen Alter Hilfe holen können. Dazu sollten an alle Schüler Flyer dieser Hilfsorganisation verteilt werden und die Lehrer sollten ihre Schüler feinfühlig und wertfrei dazu auffordern, sich gegebenenfalls an diese Stellen zu wenden.
  3. Selbsthilfegruppen, psychologische Beratung und Anlaufstellen müssen weiter ausgebaut werden.

Ich weiß, dass ich mich mit der Veröffentlichung dieses Beitrags auf sehr sehr dünnes Eis begebe und dass es Menschen (vor allem Eltern) schwer fällt diesem Thema unvoreingenommen zu begegnen und ohne Vorurteile zu diskutieren.
Allerdings weiß ich auch (und das ist belegbar), dass sexueller Missbrauch von Kindern meist im eigenen sozialen Umfeld stattfindet. Die Täter sind also oftmals die eigenen Eltern, nahe Familienangehörige (Onkel, Tante, Oma oder Opa) oder enge Freunde – also alles Menschen, die sich euch theoretisch anvertrauen könnten.
Ich denke, dass viele Fälle von sexuellem Missbrauch verhindert werden können, wenn man den betroffenen Menschen die Möglichkeit gibt sich zu öffnen. Wenn dein Partner / Vater / Bruder / Freund sich seine Wünsche vor dir eingestehen kann ohne von dir dafür verurteilt und ausgestoßen zu werden, hat er die realistische Möglichkeit Hilfsangebote anzunehmen, bevor er / sie straffällig wird.

Ich werde in einem weiteren Beitrag darüber schreiben, wie ich das Thema in meinem engeren Umfeld behandle und es wird auch einen Beitrag geben, wie ich dieses Thema mit meiner Tochter besprechen werde. Ich bitte euch dennoch diese Thematik einmal wertfrei zu betrachten und euch vorzustellen, wie ihr als Betroffener behandelt werden möchtet.

Mit diesem Beitrag möchte ich kein „Victim Shaming“ betreiben, ich relativiere sexuellen Missbrauch nicht und ich möchte auch nicht die Täter schützen. Ich wünsche mir lediglich, dass ein gesellschaftliches Umdenken dazu führt, dass Kinder vor sexuellem Missbrauch und die „Täter“ (Täter in Anführungszeichen, weil ich in erster Linie von Menschen spreche, die noch nicht straffällig geworden sind) vor sich selbst und ihren Neigungen geschützt werden.

In den Kommentaren habt ihr die Möglichkeit eure Sichtweise, Kritikpunkte und Denkanstöße mit mir / meinen Lesern zu teilen. Ich möchte euch aber darum bitten auf eure Wortwahl zu achten! Ich werde ggf. mein Recht nutzen und beleidigende Kommentare nicht veröffentlichen.


Quellen:
Statista
Spiegel
Wikipedia


Literaturempfehlungen:
Natascha – Seelenficker
Ulla Fröhling – Vater unser in der Hölle

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19 Comments

  1. WERTFREI ist das wichtigste Wort in diesem Beitrag. Wir müssen, auch wenn es uns sauer aufstößt, anerkennen, dass es diese sexuelle Neigung gibt. Wir müssen Betroffenen vorurteilsfrei begegnen, ihnen anerkennen, dass sie sich Hilfe holen wollen, um niemals diesem Trieb nach zu geben. Es muss die Zeit zählen, in der sie stark geblieben sind, nicht die Tatsache dass sie Kinder anziehend finden. Wir gefährden unsere Kinder so sehr, wenn wir den Mund zu lassen, es grundsätzlich verteufeln – denn wie sollen unsere Kinder zu uns kommen & um Hilfe bitten, wenn wir eine starre Sichtweise fern jeglicher Realität vorleben. Schlimm ist es, wenn Betroffene soweit weg gedrängt werden, dass die irgendwann „scheiß drauf. Es hilft mir doch eh keiner“ denkt & nach gibt.. JA es ist schlimm – aber erst wenn wir zulassen, dass es passiert. Es gibt Hilfen. Wir müssen sie nur endlich richtig zugänglich machen. Man sollte sich nicht schämen müssen, weil man Hilfe sucht, sondern Unterstützung dafür, dass man es macht!

  2. Hallo Elena,
    ich habe deinen Beitrag sehr aufmerksam gelesen. Erstmal Hut ab, dass du so offen darüber sprichst.

    Ich finde deine Einstellung diesbezüglich gut. Es ist nunmal Fakt, dass sich niemand seine sexuellen Neigungen aussucht. Auch bin ich deiner Meinung, dass es mit der Ausmusterung, nachdem jemand straffällig geworden ist, nicht getan ist. Dann ist es zu spät.

    Allerdings ist es ein sehr schwieriges Thema. Leider ist selbst die Homosexualität heute noch bei vielen Menschen verpönt.
    Würde man, in einer Gesellschaft, in der schon komisch geschaut wird, wenn zwei Männer sich küssen, dazu stehen und den Mut finden, zu einem Arzt zu gehen um sich helfen zu lassen?

    Es ist immer schwierig zu sagen, was wäre wenn. Sicher weiß ich es nicht, aber wenn ich betroffen wäre, glaube ich nicht, dass ich den Mut finden würde, darüber zu sprechen. Viele Opfer sexuellen Missbrauchs trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Obwohl es so wichtig wäre. Sie fühlen sich schuldig. Fangen an, sich vor sich selbst zu ekeln. Wie muss es da dem Täter gehen?

    Bevor er straffällig wird. Wird er da nicht eher versuchen, dass mit sich allein auszumachen? Ich kann mir vorstellen, dass das zu starken Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen führen kann. Irgendwann verliert er vielleicht die Selbstbeherrschung. Er weiß, dass es falsch ist. Er weiß, dass er es verdient hat, für den Fehler gerade zu stehen. Das Kind, an dem er sich vergangen hat, wird vielleicht sein Leben lang traumatisiert sein. Ihm wird es wahrscheinlich nichts bringen, dass der Täter im Gefängnis sitzt.

    Ich gebe dir Recht, dass ein totschweigen keine Lösung ist. Es muss definitiv besser aufgeklärt werden.

    Aber wie kann man Menschen mit pädophilen Neigungen helfen, wenn sie sich nicht trauen, darüber zu sprechen? Ich kann nachvollziehen, warum sie das verschweigen. Ich glaube nicht, dass es mit dem Ausbau von Selbsthilfegruppen getan ist.
    Dein Ansatz ist wirklich gut. Aber wie bringst du betroffene dazu, sich zu öffnen und darüber zu sprechen?
    Ja, klar. Dafür muss es ein Umdenken geben. Aber wie viele Jahre haben Homosexuelle für mehr Rechte gekämpft? Und auch heute noch, ist es für viele ein tabuthema. Obwohl es einvernehmlich ist. Obwohl beide Parteien damit glücklich sind, und niemand zu Schaden kommt.
    Wie stellst du es dir vor, die Menschen zum Umdenken zu bewegen?

    Es tut mir Leid, wenn mein Kommentar etwas durcheinander geraten ist und vielleicht auch was doppelt geschrieben ist.

    1. Hey!

      Erst einmal ein großes Danke für dein Feedback, deine Unterstützung und deine Komplimente.
      Ja, das Thema ist sehr schwer zu behandeln und allein wegen der emotional geladenen Stimmung
      schon ein Pulverfass, aber es zu tabuisieren und nicht darüber zu sprechen, ist einfach keine
      Lösung.

      Ich denke, dass sehr viele Dinge auf einmal passieren müssen, damit das Problem gelöst werden
      kann, aber das gesellschaftliche Umdenken ist der erste Schritt!

      Tatsache ist, dass die jenigen, die die meiste Angst vor Pädophilen haben, Eltern von kleinen
      Kindern sind und diese Menschen reagieren auf das Thema leider am emotionalsten und empfindlichsten.
      Man muss das Ganze mal aus diesem Standpunkt betrachten:
      Auch ein Pädophiler hat eine Mutter, die vermutlich Angst hatte, dass ihm in der Kindheit etwas
      passiert und sich jetzt nicht erklären kann, wieso er/sie diese Neigung hat.
      Eltern versuchen ihre Kinder zu schützen, indem sie Missbrauch thematisieren und mit Kindern darüber
      sprechen, dass sie ihre Grenzen wahren sollen.
      Während dieser Gespräche fällt oftmals der Begriff „böse Menschen“ – z.B. Es gibt böse Menschen, die
      dir weh tun möchten und dich an stellen berühren möchten, die nicht in Ordnung sind.
      Kinder wachsen also schon mit dem Denken auf, dass ein Pädophiler böse ist, weil Eltern es ihnen ein-
      prägen. Wie soll ein Kind, das sein ganzes Leben lang gehört hat, dass ein Pädophiler ein böser Mensch
      ist, Hilfe suchen, wenn es in der Pubertät feststellt, dass es auch diese Neigung hat und ein böser
      Mensch ist?

      Dieser Kreislauf muss einfach durchbrochen werden, damit die Menschen sich auch trauen dürfen, sich Hilfe
      zu suchen.

      Verstehst du, wie ich das meine? 🙂

      Liebe Grüße,
      Elena

      1. Ich weiß zu dem Thema auf jeden Fall, dass die Beratungsstellen viele Anfragen bekommen und soweit ich das mitbekommen habe auch lange nicht hinterher kommen. Der Bedarf ist also da und es gibt auch betroffen, die sich (präventiv) hilfe suchen

      2. Ich verstehe was du meinst und finde deine Ansätze und Denkweise Goldwert.
        Gerade bei dir, als fast noch frisch gebackene Mama, finde ich es wirklich erstaunlich, wie objektiv du das betrachten kannst.

        Ich denke, es muss versucht werden, Worte wie Böse zu vermeiden. -Meine Mama hat mir früher auch immer gesagt, ich dürfe nicht mit Fremden mitgehen. Nichts von Ihnen annehmen oder in ein fremdes Auto steigen. Weil ich an ganz Böse Menschen geraten kann. Und es passieren kann, dass ich nie wieder nach Hause komme.- Der Gedanke dahinter war natürlich richtig. Aber das hätte man damals schon viel sensibler angehen müssen. Mich hat damals allein das Wort böse so verstört, dass ich weggelaufen bin, wenn mir ein Fremder entgegen kam.

        ‚Böse Menschen‘ in dem Sinne gibt es meiner Meinung nach generell nicht. Natürlich ist eine sexuelle Neigung oder psychische Störung keine Entschuldigung für begangene Straftaten. Aber prinzipiell ist kein Mensch von Grund auf Böse oder schlecht.

        Ich glaube mich zu erinnern, dass es früher mal eine Fernsehwerbung gab, in der es um dieses Thema ging. Mit einer Telefonnummer, unter der man sich anonym Hilfe suchen konnte. Schade, dass es das heute nicht mehr gibt.

        Was Cari schrieb wusste ich nicht. Ich habe versucht, mich da hinein zu versetzen. Dass solche Stellen bereits viel genutzt werden ist natürlich super. Aber wenn diese überlaufen sind, ist es wenig hilfreich.

        Wie du schon geschrieben hast, handelt es sich auch meiner Meinung nach nicht um eine Kostenfrage. Vorbeugende Maßnahmen sind meist kostengünstiger, als die Maßnahmen, welche hinterher ergriffen werden müssen.

        Pädophilie muss noch viel mehr erforscht werden. Man muss herausfinden, woran es genau liegt. Ich denke nicht, dass es grundsätzlich angeboren ist. Wahrscheinlich auch, ich bin aber der Meinung, dass vielleicht auch Kindheitstraumata oder massive Selbstwertprobleme oder psychosomatische Probleme dahinter stecken könnten. Das weiß ich nicht genau. Es ist nur eine Vermutung. Wenn man herausfindet, woran es liegt, kann man besser helfen. Leider sind wir davon wahrscheinlich noch viele, viele Jahre entfernt.

        Also wäre neben dem Umdenken, meiner Meinung nach als erster Schritt weitere Forschung dringend angebracht.

        Liebe Grüße
        Annka

  3. Respekt, dass du den Mut hast, ein solch brisantes und Tabuisiertes Thema in deinem Blog aufzugreifen. Ich finde diesen Beitrag sehr gut geschrieben und unglaublich objektiv! Hut ab.
    Ich stimme dir total zu und bin auch der Meinung, dass ein umdenken statt finden sollte, und dass man Präventiv über diese Neigung aufklären sollte.

    1. Herzlichen Dank für dein Feedback und deine Komplimente!
      Ich habe lange gerungen, ob es richtig ist den Beitrag zu veröffentlichen,
      aber bei dem bisherigen Feedback, war es wohl eine gute Entscheidung!

  4. Erstmal vielen Dank liebe Elena für diesesn wirklich gelungenen und wertfreien Beitrag! Ich finde es gut, dass grad du als Mutter dieses Thema aufgreifst und Lösungsansätze aufzeigst. Sehr mutig!

    1. Hallo Jessi,
      sehr gerne doch! Danke für dein Feedback!
      Es freut mich, dass der Beitrag so gut ankommt und nicht automatisch auf Ablehnung stößt!

  5. Ich finde, du spielst dich ganz schön auf.Deine Worte brauchen Taten. Engagierst du dich irgendwo? Arbeitest du aktiv mit? Und wie sollte das alles deiner Meinung nach finanziert werden? Ein Möchtegern Gutmensch, der sich hinter seinem virtuellen Blog verkriecht und mit Moral gefüllten Luftblasen durch die Gegend pustet, ändert überhaupt nichts.

    1. Ich finde, dass du auf deine Wortwahl achten solltest. Sollte das bei folgenden Kommentaren nicht besser werden, werde ich deine Kommentare nicht genehmigen.

      Ich versuche etwas zu tun, in dem ich meine Möglichkeiten (eben meine Internetpräsenz) dafür nutze andere für diese Thematik zu sensibilisieren. Und ja, ich finde, das ist aktiv.
      Aktuell bin ich in Elternzeit und kümmere mich um mein Kind – vorher und auch später wieder, war ich im sozialen Bereich tätig.

      Und bezüglich der Finanzierung:
      Der Staat investiert jährlich Unsummen in die Unterbringung (Gefängnis) und die Resozialisierung verurteilter Sexualstraftäter, darunter u.a. Pädophile.
      Ob das Geld nun erst investiert wird, wenn die Person bereits straffällig geworden ist, ober ob man in Aufklärung und Prävention investiert, macht für den Staat keinen, aber für die Opfer einen sehr großen Unterschied.

  6. Super Beitrag! 🖤
    Bitte mehr davon 🕉

    Nur weil es mich momentan beschäftigt wollte ich anmerken, dass es auch Kinder gibt, die hier her verkauft werden…
    Und die Leute, von denen diese Kinder angesprochen werden sind auch dort meist keine Unbekannten…

    Danke für deinen Teil, gegen Stigmatisierungen ❤

    1. Hey 🙂

      Danke für dein Feedback!

      Das ist leider grausame Realität – tatsächlich kann hier alles konsumiert werden, eben inklusive Menschen.

  7. Hallo Elena,

    interessantes Thema und viele gute Gedanken. Allerdings würde mich interessieren, wie du belegen würdest, dass Pädophilie angeboren ist und sich nicht durch eine psychische Störung bildet.

    Danke für eine Antwort,
    Katalin

    1. Hallo,

      danke für dein Feedback!

      Einen Beleg dafür gibt es nicht, denn das Thema ist dafür noch lange nicht ausreichend erforscht. Nicht einmal experten sind sich einig darüber wo eine Pädpophilie eingeordnet werden sollte.
      Nachgewiesen ist lediglich, dass Teile des Gehirns bei jemandem mit pädophiler Neigung deutlich größer sind, als beispielsweise bei hetero- oder homosexuellen Menschen, was es zu einer körperlichen Krankheit macht.
      Andererseits kann man eben argumentieren, dass diese Neigung angeboren ist und sich bereits in der Pubertät zeigt – also genau so wie Hetero- oder Homosexualität.
      Tatsächlich lassen sich aber auch alle Merkmale einer psychischen Störung auf Pädophilie transferieren.

      Schlussendlich kann man es also nicht genau sagen.

      Bezüglich der psychischen Störung sei allerdings dazu gesagt, dass auch Homosexualität, SM-Neigungen und prinzipiell jeglicher Geschlechtsverkehr, der nicht darauf abzielt ein Kind zu zeugen, gestört wäre.
      Denn eine psychische Störung ist eine über eine, über einen längeren Zeitraum, Abweichung der Norm, die einen Leidensdruck bei dem Betroffenen und / oder eine Gefahr für andere Darstellen kann. Da Geschlechtsverkehr dazu da ist die Erhaltung unserer Spezies zu sichern, ist Sex aus Spaß quasi abnormal. Genau so wie Fesselspielchen, Rollenspiele, gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr, …

      Es ist schwer da den Punkt auszumachen, an dem freie Liebe zu psychischer Störung wird – so geht es mir zumindest.

      Liebe Grüße,
      Elena

  8. Tatsächlich habe ich mich vor kurzem nich mit jemandem unterhalten und wir haben so ziemlich dasselbe gesagt. Da ich ebenfalls Mutter bin, weiß ich nicht wie mein theoretisches Denken mit der Wirklichkeit zurechtkommt. Sollte der Fall eintreten, dass sich jemand an meiner Tochter vergeht, würde ich der Person kein Mitleid nehr zollen können. Das ist ähnlich wie mit manchen psychischen Krankheiten. Menschen mit Aggressionsproblemen tun mir auch leid, da sie meistens dank ihres Impulses alleine da stehen und nicht gerne einfach so auf andere losgehen (auch hier rede ich von Leuten, die gerase erst damit konfrontiert werden und deswegen selber nich nicvt wussten dass sie Hilfe brauchen). Haut allerfings jemand einen meiner Liebsten um, werde ich allerdings parteiisch.
    Anschließend wollte ich noch anmerken – Super Beitrag!

    1. Hallo,
      bitte entschuldige die verspätete Antwort – mein Laptop ist leider kaputt gegangen und das hat mich ein bisschen zurück geworfen.

      Herzlichen Dank für dein Feedback – vor allem, weil du trotz deiner persönlichen Gefühle und Ängste genug Abstand hast, um die
      Situation als großes Ganzes zu betrachten!

      Genau deshalb schreibe ich über Menschen, die zwar pädophile Neigungen haben, aber noch nicht straffällig geworden sind. Natürlich
      erwarte auch ich, dass jeder Mensch, der sich an einem Kind vergeht, bestraft wird – ich gehe sogar so weit, dass die bisher ver-
      hängten Strafen unzureichend sind.
      Würde jemand Lou etwas antun, hätte ich mit diesem Menschen auch kein Mitleid, sondern möchte, dass er gerecht (!) bestraft wird.

      Das Ziel unserer Gesellschaft sollte es aber nicht sein, eine Tat härter zu bestrafen, sondern im Vorfeld ausreichend zu handeln
      um die Tat zu verhindern.

      In der persönlichen Situation verstehe ich auch, dass Eltern nicht mehr sehen, wie lange eine Person nichts getan hat – da kochen
      die Emotionen einfach über. Ich wünsche mir nur einen Lösungsweg, der die Kinder wirklich schützt.

      Danke für dein Feedback,

      liebe Grüße,
      Elena

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