Schwangerschaftsupdate III : Klartext.

16395790_1346778082047577_414784418_n. . . ehrlich gesagt fällt es mir gerade unglaublich schwer einen geeigneten Anfang für diesen Beitrag zu finden. Ich habe mir unglaublich lange Gedanken darüber gemacht, ob ich über folgendes schreiben möchte oder nicht und auch auf die Gefahr hin, dass sich jemand angesprochen / verletzt fühlt oder mich irgendjemand anschließend als werdende Rabenmutter abstempeln möchte, muss ich mir all das von der Seele schreiben, damit ich mit mir im Reinen bin und den Rest meiner Schwangerschaft einfach genießen kann.

Seit Donnerstag bin ich in der 21sten Schwangerschaftswoche, also im sechsten Monat, und habe damit bereits die Hälfte geschafft. Eigentlich ein Grund aufzuatmen, aber ehrlich gesagt gibt es einige Dinge, die mich an der Schwangerschaft unglaublich stören – das schlimmste daran ist, dass es nicht mal mit der Schwangerschaft selbst zu tun hat, sondern hauptsächlich damit, wie andere damit umgehen, dass ich jetzt ein kleines Wesen in meinem Bauch trage.

Zuerst einmal ist es ein Irrglaube, dass jede Frau ihre Schwangerschaft genießt. In meinen Augen ist es nicht das tollste der Welt schwanger zu sein und mein Lebensziel ist es mit Sicherheit auch nicht jedes Jahr den Award für die Mami des Jahres zu gewinnen.
Verglichen mit anderen habe ich (bisher) eine sehr ruhige und angenehme Schwangerschaft. Die Symptome halten sich in Grenzen (ehrlich gesagt: die meiste Zeit merke ich nichts von der kleinen Rebella) und noch bin ich auch nicht so eingeschränkt, dass ich meinen Alltag nicht mehr meistern könnte. Und trotzdem – schwanger sein ist nichts, was ich als unglaublich schön beschreiben würde. Ich bin gezwungen meinen Körper mit einem anderen Menschen zu teilen und alles, was mit mir passiert, passiert automatisch auch mit dem Kind. Ich habe Kopfschmerzen – wenn ich eine Tablette nehme, bekommt das Kind was ab. Ich ertrage eine Wurzelbehandlung lieber ohne Betäubung, als mir eine Spritze geben zu lassen, weil die Ärtze nicht ausschließen konnten, dass das Kind etwas abbekommt. Und mal abgesehen von den Sachen, auf die ich in der Schwangerschaft verzichten muss (die meisten Dinge machen mir zwar nichts aus, aber man kann sich gar nicht vorstellen wie viel Lust man plötzlich auf einen Energy Drink hat, wenn man ganz genau weiß, dass man das Zeug nicht trinken darf), ist es doch auch so, dass Madam mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird – sollte ich also versäumen von irgendetwas ausreichen gegessen zu haben, ist das MEIN Problem.
Nicht, dass das jetzt falsch verstanden wird – ich freue mich unglaublich auf den Tag, an dem wir unsere kleine Rebella in den Armen halten können, aber deshalb muss ich die Schwangerschaft nicht glorifizieren. Eine Schwangerschaft ist eine Notwendigkeit um ein neues Leben zu schenken, nicht mehr und nicht weniger. Und nein, ich denke nicht, dass ich das Gefühl immer Angst haben zu müssen, dass mir jemand zu fest gegen den Bauch rumpelt vermissen werde.

Nachdem ich jetzt mit diesem Vorurteil aufgeräumt habe und wahrscheinlich ohnehin schon die Hälfte der Leser denkt, ich bin absolut gefühlskalt und bösartig, mache ich gleich noch mit dem Rest weiter – was sein muss, muss sein!

Dass sich Außenstehende immer und immer wieder dazu berufen fühlen mir in mein Leben und meine Entscheidungen rein zu reden und alles in Frage zu stellen, ist nichts wirklich Neues mehr für mich, auch wenn ich immer wieder sagen muss: ich lebe seit ich siebzehn (!) bin in einer eigenen Wohnung, verdiene mein Geld selbstständig und regel mein Leben ohne das zutun von anderen. Ich brauche niemanden, der mich gängelt, der mir etwas vorschreibt, der mich maßregelt oder mir „gute Ratschläge“ geben möchte, nach denen ich im Leben nicht fragen würde.
Seit ich schwanger bin, hat sich das aber noch deutlich verschlimmert. Mir wird vorgeschrieben, was ich essen muss und was ich auf keinen Fall essen darf. Mir wird verboten bestimmte Getränke zu trinken – und mal ehrlich: mal ne Cola oder Eistee wird weder mich noch Rebella umbringen. Meine Grenzen werden seit Neuestem von außen bestimmt – nein, das darfst du nicht mehr heben. Nein, runter knien darfst du dich auch nicht. Und das aufzuheben vergisst du mal ganz schnell, das kann dann jemand anderes machen.
Ich bin nicht krank, sondern nur schwanger. Ich kann das für mich entscheiden und bin vorsichtig genug. Ich hatte nicht nur ein Gespräch mit Frauenärztin und Hebamme – so lange ich mich gut fühle, darf ich machen was ich möchte und dass ich nicht regelmäßig 20-30 kg tragen soll, ist mir durchaus bewusst, aber ich kann das trotzdem selbst entscheiden und möchte nicht, dass man mir das immer und immer wieder vorschreibt.

16251139_1336598383065547_1951325469_oEin weiterer Punkt, der unglaublich anstrengend geworden ist: Meine Privatsphäre wird mir aufgrund der Schwangerschaft scheinbar gänzlich abgesprochen.
Ich kann ja durchaus verstehen, dass es für Andere unglaublich interessant ist am Wachstum von Babybauch und Kind teilzuhaben und das man auch so neugierig ist, dass man da mal anfassen möchte. So ging es mir auch, als die ersten Mädels in meinem Freundeskreis schwanger wurden und ich fand es sehr toll, dass ich da mal fühlen durfte – ABER nie ohne vorher dazu aufgefordert worden zu sein oder eben gefragt zu haben. Auch wenn Rebellas Wohnort aktuell mein Bauch ist, ist es immer noch MEIN Bauch und wer den anfassen darf oder eben nicht, hat wer zu entscheiden? ICH. Es ist unglaublich übergriffig und alles andere als schön, wenn einem einfach an den Bauch gepackt wird, unabhängig davon, ob man sich in dem Moment damit wohl fühlt oder eben nicht. Ich meine, mal ehrlich – fände es irgendjemand schön, wenn ich ihm / ihr einfach an die Genitalien packen würde? Ich denke nein. Einer Schwangeren an den Bauch zu tatschen ist mindestens genau so intim und deshalb beim besten Willen keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Eingeständnis meinerseits. Wer anfassen darf, hat das zu schätzen zu wissen – die Kenntnis meiner Schwangerschaft und mein Babybauch in greifbarer Nähe sind keine Einladung in meine Privatsphäre einzugreifen.

16425312_1346806358711416_797878813_nUnd ein letztes noch – dann reicht es auch erst einmal wieder mit dem Gemecker:
Am schönsten an der Schwangerschaft ist für mich, dass mein Freund und ich uns gemeinsam auf den neuen Lebensabschnitt und die neuen Aufgaben vorbereiten können. Und dazu gehört auch, dass wir uns darüber Gedanken machen, was wir für unsere kleine Rebella brauchen und vor allem möchten. Das Aussuchen der Erstausstattung, der Klamotten und des „Zubehörs“ (Spielsachen, Kuscheltiere, Kinderbücher) ist also etwas, das ich unglaublich gerne mit meinem Freund machen möchte ohne, dass man von allen Seiten mir Klamotten und sonstigem Mist zugemüllt wird.
Ich möchte gerne Sachen für unsere Tochter, die uns gefallen und die wir uns für Madam wünschen.
Klar, wenn sich da ein neuer Erdenbewohner auf den Weg macht, fühlen sich auf einmal alle dazu berufen die Kinderabteilungen sämtlicher Kaufhäuser abzuklappern, aber BITTE überlasst das doch uns.
Es ist nicht so, dass ich die Geste nicht zu schätzen wüsste und natürlich würden wir uns eine Menge Geld sparen, wenn wir uns einfach von allen Seiten beschenken lassen würde, aber dass es für die werdenden Eltern eine wunderschöne Erfahrung ist, die ihnen damit einfach geraubt wird, wollen viele einfach nicht verstehen.
Ich möchte das für uns haben – wenn ihr euch daran beteiligen wollt, dann fragt uns doch vorher bitte, was wir uns für unsere Tochter wünschen oder – und das soll jetzt nicht fordernd klingen, also bitte nicht falsch verstehen – gebt uns das Geld, das ihr für Rebella ausgeben wollen würdet, und stellt uns damit ein größeres Budget für die Anschaffungen.
Ich erwarte nicht von irgendjemandem Geld zu bekommen, aber ich wünsche mir einfach, dass man meine Wünsche akzeptiert und die Entscheidung, was Madam bekommt oder eben nicht bekommt, uns überlässt.

Sollte sich nach dem Lesen dieses Beitrags irgendjemand verletzt oder angegriffen fühlen, kann man mich natürlich jederzeit darauf ansprechen / – schreiben, aber ich musste mir diese Dinge einfach von der Seele schreiben. All das setzt mich psychisch unglaublich unter Druck und das wirkt sich natürlich auch auf Rebella aus.
Ich möchte die zweite Hälfte meiner Schwangerschaft einfach genießen können, mit meinem Freund die restlichen Sachen besorgen und uns einfach auf den Tag freuen können, an dem wir unser kleines Mädchen im Arm halten können und mit nach Hause nehmen dürfen.

Dieses Schwangerschaftsupdate war gänzlich anders als die beiden Vorgänger, aber es war einfach mal notwendig mir Luft zu machen. Schwangerschaftsupdate IV wird dann wieder „normal“ (19te bis 23te Woche) !

One comment on “Schwangerschaftsupdate III : Klartext.

  1. Hey, bin aktuell in der 24. Woche.. & du sprichst genau das aus worüber ich die ganze Zeit Angst habe zu sprechen..
    alleine dieses Gezeter um einen. Als würde man sein Kind für andere auf die Welt bringen. Oder so Sprüche wie :“ wir wollen doch nur das es dir gut geht, denn dann geht es dem Kind gut“ kann ich langsam nicht mehr hören. Oder die ganzen Anschaffungen, schau dir doch mal den Kinderwagen an, wie wärs denn mit den Kinder Bett?! Ich bin wirklich dankbar für jede Hilfe.. aber irgend wann reicht es & gerade solche Sachen wie du schon schön geschrieben hast würde ich lieber mit meinem Partner machen. Vorallem will man als werdende Mutter auch einfach selbst für sein Kind sorgen und nicht alles vor die Füße getragen bekommen.. da fühl ich mich persönlich einfach schlecht & ab einem gewissen Punkt fang ich auch an mich zu fragen ob man sich einfach nur einkaufen will.. weil wenn man einen Teil zum Baby beiträgt hat man automatisch Anrecht darauf es öfter zu sehen?!
    Es hat doch alles seine vor und Nachteile ..

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