Unsere Stillbeziehung. | Mama-Blog!

Diesen Beitrag habe ich öfter angefangen und verworfen als mir lieb ist. Stillen ist ein unglaublich emotional geladenes Thema und es ist schwierig die Worte so zu wählen, dass man mit seinen Aussagen niemanden auf die Zehen tritt (gut, möglichst wenigen – man wird es nicht schaffen niemanden vor den Kopf zu stoßen, es sei denn man hält den Mund.)!

Deshalb möchte ich vorab einige Anmerkungen machen, damit wir uns nicht unnötig missverstehen:

  1. Es gibt kaum ein Thema, das in Mama-Foren öfter diskutiert wird, als das Stillen. Auch ich habe eine klare Meinung zu diesem Thema, aber im heutigen Beitrag erzähle ich lediglich unsere Geschichte – also ein rein subjektiver Beitrag, der das Thema „Stillen vs. Pre-Nahrung“ weder werten noch beurteilen soll.
  2. Werdende Mütter, die sich selbst schnell unter Druck setzen lassen, sollten vor der Entbindung und dem Start in ihre Stillbeziehung davon absehen Beiträge zu diesen Themen zu lesen. Egal, ob es eine Traumgeburt mit perfektem Still-Start oder ein Horror-Bericht inklusive blutiger Brustwarzen und Milchstau ist … solche Beiträge können Ängste und Zweifel auslösen und das braucht ihr in eurer Situation definitiv nicht. (Das ist nur ein guter Rat, ob ihr weiter lest, ist natürlich euch überlassen.)
  3. Nur weil Mama 1 Stillprobleme hatte, bedeutet es nicht, dass du die selben Probleme haben wirst. Genau so garantieren dir hunderte schöne Geschichten aber auch nicht, dass es bei dir von vorne herein super läuft. Schwangerschaften, Geburten, Stillbeziehungen und Kinder kann man nicht miteinander vergleichen.

So – und jetzt, lange Rede kurzer Sinn: Unsere Stillbeziehung!

Mein Patentrezept für eine gute Stillbeziehung, lässt sich kurz und knapp zusammen fassen:

Konzentriere dich auf dich und dein Kind.
Vertraue auf deinen Körper!
Du hast die Kraft einen Mini-Menschen zu
erschaffen und ihm auf diese Welt zu helfen,
du hast auch die Kraft diesen Mini-Menschen
zu ernähren!

Unsere Stillbeziehung beginnt nicht etwa mit der Geburt oder den ersten Stunden und Tagen danach, sondern bereits in der Schwangerschaft!

Während mich die Ratschläge (und ich kann es nicht oft genug sagen: Ratschläge sind auch Schläge), Erfahrungsberichte und kleinen Geschenken (Fläschchen zum Beispiel) aus dem näheren Umfeld eher verunsichert und unter Druck gesetzt haben, habe ich bei meinem Hebammen-Team einen sicheren Hafen gefunden und konnte mich auf das Einzige konzentrieren, was wirklich für eine gute Stillbeziehung zählt: Mich und die Beziehung zu meinem Körper und meinem Kind.

Stillen ist tatsächlich mehr Kopf- als Körpersache, denn nur etwa zwei Prozent der Frauen weltweit sind körperlich nicht dazu in der Lage ihr Kind zu ernähren (und damit genug der objektiven Fakten). Sich selbst unter Druck zu setzen und Ängste zu entwickeln, erschwert den Start also nur und es macht einfach deutlich mehr Sinn, sich nicht in negative Vorahnungen sondern in positive Gedanken zu stürzen.
Ich wollte und habe mich in der Schwangerschaft also nicht mit dem „was wäre wenn es nicht klappt“ beschäftigt, sondern auf meinen Körper vertraut und in dieser Einstellung haben mich meine Hebammen bestärkt!

Mein Körper hat etwa zur Hälfte der Schwangerschaft die ersten Male Kolostrum abgesondert, ab der 37sten Schwangerschaftswoche habe ich drei mal täglich eine Brustmassage durchgeführt, die mir meine Hebammen gezeigt haben, und anschließend das vorhandene Kolostrum ausgestrichen. Wichtig ist aber, dass wirklich erst ab der 37sten Woche massiert wird, denn die Brustmassage kann Wehen anregen und fördern.

Wieso sollte man seine Brüste überhaupt massieren?
Die Geburt ist nicht nur für die Mama anstrengend, sondern auch das Baby durchläuft den gesamten Geburtsprozess und wird teilweise stundenlang zusammen gedrückt, durch ein viel zu kleines Loch gepresst und muss sich dann innerhalb von kürzester Zeit an eine komplett neue Umgebung anpassen – das zehrt an den Kräften und die Babys sind müde und k.o. !
Die Brustmassage „lockert“ den Milchfluss – führt man sie also direkt vor dem Anlegen durch, ist es für das Baby deutlich leichter an das Kolostrum zu gelangen, es ist schneller erfolgreich und verbindet die Brust vom ersten Anlegen an mit etwas positivem.

Heute vor zehn Monaten erblickte Lou das Licht der Welt. Zehn Monate Baby. Zehn Monate Mama. Zehn Monate Stillbeziehung – und ich genieße jeden Augenblick davon!

Auch wenn ich mir immer noch wünsche, die Geburt im Geburtshaus statt im Krankenhaus beendet haben zu können (ist das so richtig?) muss ich sagen, dass wir auch unter den gegebenen Umständen das beste und passendste für uns gemacht haben! Direkt nach der Geburt wurde mir Lou auf die Brust gelegt, die Motte durfte in aller Ruhe in „der neuen Welt“ ankommen und die Ärtze und Schwester haben (nachdem ich medizinisch ausreichend versorgt war) das Zimmer verlassen, dass auch wir als frisch gebackene Eltern die Ereignisse der letzten Stunden erst mal sacken lassen konnten.
Das erste Anlegen war … seltsam, da es unter ärztlicher Aufsicht sein sollte und die Ärztin, so lieb wie sie auch war, mich glaube ich für etwas seltsam gehalten hat. Bevor die Milchbar das erste mal zum „all you can eat“ geöffnet wurde, habe ich Lou an Chriz abgegeben und die Brustmassage durchgeführt, die meine Hebammen mir gezeigt haben („warum machen Sie das?“, „das ist doch gar nicht nötig, legen Sie das Baby doch an“) – anschließend hat mir Chriz unsere Motte wieder auf die Brust gelegt und die Kleine hat von ganz allein ihren Weg an die Brust gefunden.
Das erste Stillen hat nicht weh getan. Es hat sich auch nicht komisch oder seltsam angefühlt – ganz im Gegenteil, es hat sich gut und richtig angefühlt! Lou hat an beiden Seiten getrunken und ist dann in meinen Armen eingeschlafen. Das erste Anlegen – ein voller Erfolg! Ja, wir hatten einen wirklich super Start!

Wir mussten 24 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben und das waren tatsächlich die einzigen Stunden, in denen ich Angst um unsere Stillbeziehung hatte:
Wie ich oben schon geschrieben habe, zehrt eine Geburt nicht nur an Mama und Papa, sondern vor allem auch an den Kräften des Babys. Lou hat ihre ersten 24 Stunden schlafend verbracht und wollte weder zum Essen, noch zum Wickeln und umziehen wach werden. Das ist ganz normal, aber ein schlafendes Baby an die Brust anzulegen, macht einfach keinen Sinn – essen muss das Zwerglein aber.
Und statt die Pre-Nahrung anzunehmen, die mir die Krankenschwestern alle paar Stunden andrehen wollten, habe ich alle zwei Stunden meine Brust massiert, das Kolostrum ausgestrichen, auf einem Teelöffelchen aufgefangen und Lou damit gefüttert – Babys können auch schlafend gefüttert werden, sie verschlucken sich nicht daran (diese Methode war übrigens ebenfalls ein Tipp meiner Hebammen!)! Das war zwar anstrengend und nervenaufreibend (nach 40,5 Stunden Geburt einen alle zwei Stunden klingelnden Wecker zu haben, macht einfach keinen Spaß!), aber so konnten wir die Fläschchen-Nahrung umgehen, Lou hat ausreichend Kolostrum zu sich genommen und ich musste mir keine Sorgen machen, dass sie zu viel abnimmt. Und sobald wir zuhause waren, lief ohnehin alles wie am Schnürchen!

Nachdem die erste Erschöpfung überstanden und Lou „ausgeschlafen“ war, war anlegen kein Problem mehr – im Gegenteil, man konnte die Uhr nach ihr stellen! Tagsüber wollte sie alle 1,5 bis 2 Stunden an die Brust, nachts waren die Stillabstände bei 3,5 bis 4 Stunden. Sie hat nur minimal abgenommen und schon am vierten Tag war sie schwerer als zur Geburt – unsere Nachsorgehebamme hat uns liebevoll ihr „Vorzeigewochenbett“ genannt und wir haben uns 14 Tage wirklich verschanzt, keinen Besuch empfangen sondern uns ganz auf uns konzentriert!

Heute, zehn Monate später, stillt Lou immer noch voll (sie isst keinen Brei, knabbert zwar ab und an an Apfel, Banane, Brezel und co – isst diese Sachen aber noch nicht, sondern spielt damit) – und ja, Lou stillt und wird nicht gestillt, denn SIE trifft die Entscheidungen. Sie entscheidet wann sie stillen möchte, wie lange sie stillen möchte und aus welchem Grund sie stillen möchte.
Sie stillt, wenn sie Hunger und / oder Durst hat. Sie stillt, wenn sie sich in einer Situation unsicher fühlt oder Angst hat und Bestätigung braucht. Sie stillt, wenn sie Nähe und Geborgenheit braucht. Sie stillt zum Einschlafen. Sie stillt, wenn sie beim Laufen lernen auf ihren Hintern fällt oder sich den Kopf stößt.
Sie stillt einfach immer dann, wenn sie das Bedürfnis danach hat – und damit sind wir beide mehr als glücklich!

Zehn Monate Stillbeziehung in wenige Worte zu fassen, ist nahezu unmöglich! Wir hatten vom ersten Anlegen einen perfekten Start in die Stillbeziehung! Da ich Lou die ersten paar Tage teilweise alle 30 Minuten angelegt habe (um Milchbildung und -fluss zu fördern), hatte ich keinen schmerzhaften Milcheinschuss, sondern einen angenehmen Übergang von Kolostrum zur Muttermilch. Ich hatte nie zu wenig Milch, sondern eher zu viel, weshalb ich oft und viel abgepumpt habe (Muttermilch fürs Badewasser, zum Eincremen der Haut und sogar zum Popo-sauber-machen! LUXUS!) und noch heute läuft die Seite, an der sie gerade nicht trinkt, aus … aber mehr Milch als nötig sehe ich persönlich als Luxus und nicht als Problem!

Bisher habe ich nur darüber geschrieben, wie unsere Stillbeziehung aussieht, aber nicht was sie mir bedeutet – dabei ist mir das viel wichtiger!

Stillen ist Liebe. Pure, reine, unverfälschte, echte und bedingungslose Liebe. Ihr Blick, wenn sie an die Brust andockt und mich mit strahlenden Augen ansieht, als gäbe es keinen tolleren Menschen für sie als mich, ist unbezahlbar und entschädigt für jede schlaflose Nacht! Ich könnte sie fressen, wenn sie mich beim Essen anlächeln möchte und dabei die Milch aus ihren Mundwinkeln läuft! Zu wissen, dass ich ihr sicherer Hafen bin, gibt mir Kraft und stärkt mich auch an Tagen, an denen sonst alles unmöglich scheint. Chriz hat das ganz schön gesagt – du bist die Lösung all ihrer Probleme. Und das zu sein – der einzige Mensch zu sein, der ihr all das geben kann, was sie braucht, ist ein Gefühl von unendlichem Glück!
Ich liebe diesen kleinen Mini-Menschen – von ganzem Herzen. Bedingungslos. Für immer.

Und ich bin jetzt schon traurig, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem sie zum letzten Mal stillen möchte. Kein Mopsschlaf mehr. Kein Milchgeruch mehr, wenn sie mir einen unglaublich nassen Kuss auf die Nase drückt. Bis dahin vergehen hoffentlich noch viele Monate, aber schon jetzt macht mir der Gedanke diese ganz besondere Bindung zu verlieren, Angst.

Mein kleiner Milch-Vampir, ich liebe dich!

 

 

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2 Comments

  1. Liebe Elena,

    du gibst die Muttermilch, die zu viel ist, in das Badewasser von Lou? Hab ich das richtig gelesen? Und wie verwendest du Muttermilch als Creme? Einfach die Muttermilch auf die Haut – ohne Zusatzstoffe? Ich bin selbst noch keine Mama, bin aber sehr dafür, das man für alles was möglich ist, Naturprodukte verwendet. Würde mich also wirklich interessieren, wie du das handhabst…solche Tipps kann man ja immer wieder brauchen.

    1. Hallo Savannah,

      Muttermilch ist quasi der Zaubertrank für ALLES! 🙂

      Die Haut hat eine eigene Schutzschicht, damit sie ausreichend Wasser
      speichert und nicht austrocknet. „Wir“ haben diese Schutzschicht be-
      reits mit Seifen zerstört, weshalb unsere Haut stellenweise austrock-
      net und wir uns regelmäßig eincremen müssen.
      Bei Babys ist das nicht der Fall – die Schutzschicht ist intakt und
      sowohl Badezusätze als auch Cremes sind daher unnötig.

      Ich bade gemeinsam mit Lou und gebe ab und an die abgepumpte Mutter-
      milch ins Badewasser – das tut der Haut gut. Ihre Haare wasche ich
      immer mit Muttermilch, dafür streiche ich direkt beim Baden einfach
      frische Muttermilch aus und massiere es in ihre Haare.
      Auswaschen und fertig!
      Als Creme benutze ich Muttermilch hauptsächlich dann, wenn sie sich
      verletzt hat (irgendwo gekratzt oder ein Mückenstich z.B.) oder eben
      wenn sie einen geröteten Popo hat. Auch hier streiche ich die Mutter-
      milch „frisch“ aus und reibe einfach die Stellen damit ein.

      Du kannst Muttermilch z.B. auch bei einer Erkältung als Nasentropfen
      verwenden 🙂

      Muttermilch enthält antibakterielle, entzündungshemmende und immun-
      modulierende Eiweißstoffe und ist ein wahres Wundermittel!

      Ich versuche alles Synthetische (von Badezusätzen bis hin zu Medi-
      kamenten) so gut es geht zu meiden und nur im Notfall auf diese Din-
      ge zurück zu greifen.
      In der Regel gibt es für jedes Problem eine natürliche Lösung!

      Ich hoffe, ich konnte dir deine Fragen einigermaßen beantworte, wenn
      du noch etwas wissen möchtest, frag ruhig!

      Alles Liebe,
      Elena

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