Schwangerschaftsupdate VII : Wo möchte ich mein Kind entbinden?

. . . normalerweise sind meine Schwangerschaftsupdates so aufgebaut, dass ich euch über Rebellas Entwicklung berichte und ein bisschen festhalte, wie es mir so geht und wie ich mich / mein Körper sich verändert. In 40 Wochen beschäftigt man sich allerdings nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit Entscheidungen, die man zwangsweise treffen muss. Eine dieser Entscheidungen ist der Ort, an dem man sein Kind zur Welt bringen möchte.
Dieses Thema hat bei mir seit ich von meiner Schwangerschaft erfahren habe, eine sehr hohe Priorität, da für mich eine Geburt im Krankenhaus aus mehreren Gründen nicht in Frage kommt. Ich glaube, ich habe es hier schon einmal erwähnt, aber wirklich thematisiert habe ich es noch nicht – deshalb möchte ich das heute nachholen, vielleicht helfen meine Gedanken ja der ein oder anderen dabei sich damit auseinander zu setzen.

Für viele Frauen scheint es gar keine Frage zu sein wo sie ihr Kind zur Welt bringen möchten, sondern eine Tatsache – Krankenhaus. 2015 wurden in Deutschland 740.362 Kinder geboren – 730.800 dieser Kinder wurden in einem Krankenhaus geboren. Das bedeutet, gerade mal 1,29% (9.562) aller Kinder wurden, geplant und ungeplant, außerklinisch geboren. [Quelle – klick]
In Deutschland gibt es drei anerkannte Orte, an denen Frauen ihre Kinder zur Welt bringen können: An erster Stelle stehen – wie man an den Zahlen sieht – nach wie vor Krankenhäuser (über 98%). Die anderen beiden Möglichkeiten sind Geburten, die von anerkannten und ausgebildeten Hebammen begleitet werden – diese Geburten können sowohl zuhause als auch in einem Geburtshaus stattfinden.

Schon zu Beginn meiner Schwangerschaft habe ich ganz klar gesagt, ich will und werde mein Kind nicht in einem Krankenhaus zur Welt bringen (medizinische Notwendigkeit außer Acht gelassen – natürlich würde ich in so einem Fall in ein Krankenhaus gehen und das Leben meines Kindes nicht aufs Spiel setzen!) ! Ich bin nicht krank, daher ist ein KRANKENhaus der absolut falsche Platz für ein Kind um das Licht der Welt zu erblicken.
Außerdem habe ich sehr viele Horror-Geschichten über Krankenhaus-Geburten gelesen und auch im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis habe ich nicht viel Gutes gehört.
Krankenhäuser lösen ein absolutes Beklemmungsgefühl in mir aus, ich kann mich an solchen Orten nicht wohlfühlen und schon gar nicht fallen lassen. Außerdem finde ich den Gedanken verstörend, dass man schon von vorne herein einen Zugang gelegt bekommt und mit diversen Medikamenten versorgt wird. Eine Geburt ist ein natürlicher Vorgang, der Körper einer Frau ist dazu fähig ein Kind zur Welt zu bringen und ich bezweifle, dass es wirklich notwendig ist von vorne herein mit Medikamenten dagegen und dann wieder dazu zu wirken.
Zumal ich mich auch über eben diese Medikamente belesen habe und vor allem die PDA mich absolut abschreckt und ich die Folgen einer solchen nicht verantworten möchte. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben und ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich während der Geburt gerne auf etwas zurück greifen möchte, das die Schmerzen eindämmt, aber ich rate tatsächlich jeder Frau dazu sich einmal genauer mit der PDA auseinander zu setzen – denn so toll wie man sich das ganze redet, ist es nicht. Kurz zusammen gefasst:

Die Peridualanästhesie (PDA) ist mittlerweile zum festen Bestandteil der meisten Geburten geworden und wenn man sich vorher gegen eine PDA entscheidet, stößt man damit mittlerweile auf wesentlich mehr Unverständnis als wenn man sich dafür entscheidet.
Die Haut am Rücken wird lokal betäubt, eine Hohlnadel zwischen die Wirbel bis zum Periduralaum geschoben und anschließend ein Katheter gelegt – über diesen kann dann ein Opiat zur Betäubung entweder schubweise (als Bolus) oder kontinuierlich verabreicht werden. Wenn alles funktioniert und der Katheter richtig gelegt werden konnte, erreicht man so einen Zustand der Schmerzfreiheit.

Soweit die Theorie – bis dahin klang diese Vorstellung für mich nämlich auch noch verlockend. Tatsächlich ist es aber so, dass die Geburt dadurch meistens ins stocken gerät. Die Wehen lassen – nicht nur subjektiv, sondern wirklich – nach und es ist sehr oft notwendig, dass ein Wehentropf angehängt wird, damit die Geburt überhaupt weitergeht. Im Schmerzfreien-Raum und ohne Wehen ist es quasi unmöglich zu pressen und ohne Presswehen ein Kind zur Welt bringen, ist – aus eigener Kraft – wohl nicht möglich.
Für das Kind ist das allerdings eine absolute Stresssituation – am CTG zu sehen -, denn während die Mutter die Zeit genießt, in der sie sich kurz von den Wehen erholen kann, steckt das Kind im Geburtsprozess fest. Je länger das dauert, desto mehr Stress empfindet das Kind, das CTG wird kritisch und es muss nachgeholfen werden. Die Frau spürt oftmals lediglich das hart-werden des Bauches, aber keinen Pressdrang – geschweige denn den Druck, der auf den Damm entsteht (was Dammschnitt oder -riss zur folge hat / haben kann) – und presst sie dann doch, zeigt das oftmals keinen Geburtsfortschritt, was ein Nachhelfen durch Ärzte, Schwestern und Hebammen nötig macht. Es läuft also oftmals auf eine Zangen- oder Saugglockengeburt hinaus.
Alles in allem kann man sagen, dass eine PDA die Geburt für die Mutter zwar zeitweise angenehmer / einfacher macht, es aber bedeutet, dass man dem Kind eine Menge zusätzlichen und unnötigen Stress zumutet und die Geburt mindestens zwei Stunden länger dauert als ohne.
Mal ganz abgesehen davon, was man seinem Körper zumutet, wenn man ihn erst mit Opiaten ruhig stellt und anschließend per Wehentropf wieder auf Hochtouren putscht. Dazu kommt noch, dass die PDA und das dadurch entstehende begrenzte Gefühl in den Beinen dazu führt, dass die Geburt in etwa 75% auf dem Rücken stattfindet – und das ist alles andere als optimal. [Quelle – klick]

Im Grunde genommen ist es – natürlich – die Entscheidung jeder Frau ganz persönlich ob sie sich für oder gegen eine PDA entscheidet, aber genau so wie die Entscheidung ins Krankenhaus zu gehen, scheint auch die PDA-Frage mittlerweile nur noch eine rhetorische Frage zu sein – die Antwort ist in den meisten Fällen ein ja. Ich verurteile auch niemanden, der sich für eine PDA entscheidet, ich denke nur, dass man sich im Vorfeld der Geburt mit genau diesen Themen auseinandersetzen sollte und diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen sollte.
Ich für meinen Teil entscheide mich bewusst gegen eine PDA – diesen Stress möchte ich meiner Tochter nicht zumuten. Kinder wurden jahrhundertelang ohne PDA geboren, da werde ich das schon auch hinbekommen (sagt sie jetzt und wird sich währenddessen unglaublich über die eigene Dummheit ärgern! :´D)

Diese Punkte sprechen – aus meiner Sicht – ganz klar gegen eine Geburt im Krankenhaus. Bei meiner Recherche zu Beginn der Schwangerschaft und der Suche nach einer Hebamme, habe ich mich dann intensiv mit Geburtshäusern beschäftigt und bereits in der dreizehnten Schwangerschaftswoche den ersten Termin mit meiner Hebamme, die Geburten zuhause und in einem Geburtshaus anbietet.
Bei diesem Beratungsgespräch habe ich mich von vorne herein unglaublich wohl und gut aufgehoben gefühlt und nach fast zwei Stunden, die ich im Geburtshaus verbracht habe und mit meiner Hebamme gequatscht habe, stand es für mich absolut fest – an diesem Ort soll mein Kind zur Welt kommen.

Krankenkassen übernehmen die normalen Kosten der Geburt im Krankenhaus, allerdings entstehen noch zusätzliche Kosten, da man in einem fünf-Wochen-Rahmen um den errechneten Geburtstermin herum eine 24-Stunden-Rufbereitschaft der betreuenden Hebammen hat. Die Kosten dafür belaufen sich auf 750,- €, wovon die meisten Krankenkassen einen Teilbetrag übernehmen – bei mir sind es wohl 250,- € (mal sehen, ob die Krankenkasse das dann auch wirklich überweist :´D). Mindestens 500,-€ zusätzlich zur Erstausstattung, Schwangerschaftbekleidung u.ä. aufzubringen, ist natürlich eine Entscheidung, die man bewusst treffen sollte, aber für mich überwiegen die Vorteile des Geburtshauses so deutlich, dass ich gerne bereit bin das Geld zu bezahlen.
Außerdem muss man dazu sagen: Die Geburt eines Kindes ist etwas einmaliges und ich wünsche mir, dass ich dieses Ereignis trotz Schmerzen als eine schöne Erfahrung in Erinnerung behalten kann. Das Geburtshaus bietet für mich einen geschützten Rahmen, in dem ich mich wohl fühlen kann und in dem ich mich auch auf mich und das Geschehen konzentrieren kann – es ist, denke ich, ein Raum, in dem mein Partner und ich unser Kind gerne auf dieser Welt willkommen heißen.

Und hier – so kurz und knapp wie möglich – die Gründe, weshalb ich mich für eine Geburt im Geburtshaus entschieden habe:

  1. Im Geburtshaus entbinde ich ambulant. Das bedeutet, dass wir etwa zwei bis vier Stunden nachdem unsere Tochter da ist (und natürlich sofern medizinisch alles in Ordnung ist) nach hause dürfen und die erste Zeit als kleine Familie in einem uns bekannten und geschützten Raum verbringen können. Wir haben also von Anfang an einen von uns und nach unseren Vorstellungen strukturierten Alltag – keine klaren Zeiten, an die wir uns halten müssen (kein Klinik-Alltag!)
  2. Die Nabelschnur wird erst durchtrennt, wenn das Kind wirklich „angekommen“ ist – man gibt also Mutter und Kind Raum und Zeit nach der Geburt erst einmal zur Ruhe zu kommen und sobald man merkt, dass das Kind „da“ ist und den Geburtsvorgang verarbeitet hat, darf der Papa die Nabelschnur durchtrennen.
  3. Während der Geburt begleiten mich zwei Hebammen, die durchgehend an meiner Seite sind und Sorge dafür tragen, dass es mir und meinem Kind an nichts fehlt und gut geht. Im Krankenhaus wird man oftmals für Stunden allein gelassen und sich selbst überlassen – ohne auch nur den Hauch einer Ahnung ob alles in Ordnung ist. Ich möchte diese Ängste nicht ausstehen müssen.
  4. Das gewählte Geburtshaus ist knapp 15-20 Geh-Minuten von uns entfernt – wenn es also los geht, müssen wir uns keinen Stress machen, sondern können uns in aller Ruhe auf den Weg machen…je nachdem nach was uns ist, per Öffentlichen; Taxi oder zu Fuß!
  5. In Geburtshäusern kommt es seltener zu Dammrissen/-schnitten, die Geburt muss wesentlich seltener künstlich eingeleitet werden, Schmerzmittel werden lange nicht so häufig eingesetzt und es kommt nur sehr selten zu Zangen- bzw. Saugglockengeburten.
  6. Ich darf die Musik aussuchen, die während der Geburt läuft – ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob die Hebammen das nicht noch bereuen…wobei, vielleicht stehen sie ja auf Aerosmith, Guns´n´Roses, Nirvana und ACDC – wenn Rebella bei „Sweet Child o´Mine“ zur Welt kommt, fände ich das schon ziiiiiiemlich klasse!
  7. Meine Hebammen (ja, ich habe zwei) begleiten mich seit der dreizehnten Schwangerschaftswoche und begleiten mich dann auch während der Geburt und betreuen mich die Tage / Wochen danach. Ich bin in diesen Stunden also nicht von völlig Fremden abhängig, sondern habe zwei Frauen um mich, die ich über mehrere Wochen kennen gelernt habe und die ich wirklich sehr sehr gerne mag!

Ich denke, dass die Entscheidung dieses Ereignis in einem Geburtshaus zu erleben und mich aktiv gegen eine Geburt im Krankenhaus zu entscheiden, absolut richtig ist und dieser geschützte Raum mit der angenehmen Atmosphäre das Geschehen für mich, meinen Partner und vor allem unsere Tochter wesentlich schöner und angenehmer gestalten wird.
Nachdem Madam dann da ist und wirklich bei uns angekommen ist, wird sie vom Papa (natürlich mit Hilfe der Hebammen) gewaschen und gewickelt, die U1 wird durchgeführt und nachdem Mama dann kurz Zeit hatte zu sich zu finden und duschen zu gehen, wird der „erste“ Geburtstag der Kleinen gefeiert.
Danach geht es dann nach hause und Rebella lernt ihre tierischen Geschwister
kennen!

Wenn die Schwangerschaft – endlich – vorbei ist und wir in das Leben als kleine Familie starten, bin ich so unglaublich glücklich und erleichtert!elenamonvoisin

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